Grünes Licht für Psycho-Studie an Kindern

19. März 2007, 13:45

Während 20 Jahren wollen Basler Forscher 3000 Kinder und ihre Familien wissenschaftlich begleiten. Untersucht werden sollen verschiedene Einflüsse auf die psychische Gesundheit. Die Ethik-Kommission gibt zwar grünes Licht, untersagt aber die umstrittenen DNA-Tests bei Kindern.

Nicht allen Kindern in der Schweiz geht es gut.
Nicht allen Kindern in der Schweiz geht es gut.
Der Rahmen des weltweit einzigartigen Projekts «Sesam» (Swiss Etiological Study of Adjustment and Mental Health) ist schon länger abgesegnet; die Ethik-Kommission beider Basel (EKBB) musste nun alle Einzelprojekte prüfen. In der Gesamtabstimmung hiess das Gremium die vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte Studie mit 22 Ja- und einer Nein-Stimme bei einer Enthaltung gut.

Die EKBB-Mitglieder verpassten den Verantwortlichen der Studie aber einen herben Dämpfer. Die Zustimmung wurde an mehrere Einschränkungen geknüpft. So sprach sich die Ethikkommission gegen die vorgesehene DNA-Entnahme bei unmündigen Kindern aus. Diese soll erst erfolgen, wenn die Betroffenen die Vor- und Nachteile selber beurteilen können.

Widerstand gegen das Projekt
Begründet wird dies mit einer möglichen lebenslangen starken Belastung, etwa wenn genetische Ähnlichkeiten zu Verwandten mit schweren Krankheiten - wie Schizophrenie oder Depressionen - festgestellt werden. Sesam wertet Daten zwar nur anonym aus; aber Betroffene haben das Recht ihre individuellen Daten einzusehen.

Die biologische Untersuchung hatte im Vorfeld des Entscheids für grosse Kritik gesorgt. So hatte der «Basler Appell gegen Gentechnologie» eine Petition mit 12'000 Unterschriften eingereicht. Geheime Abstimmungen sind laut EKBB-Präsident Hans Kummer zwar unüblich, angesichts der Wichtigkeit habe man aber keinen Druck auf die Kommissionsmitglieder entstehen lassen wollen.

Begleitstudie verlangt
Eine weitere Auflage ist eine unabhängige Begleitstudie, die allfällige negative Effekte auf die Teilnehmenden rasch erkennen soll. Grundsätzlich will Sesam zwar nur beobachten, aber bei akuten Risiken soll doch interveniert werden. Wann und wie genau, sei noch festzulegen. Offen ist ferner auch noch die Versicherung. Das individuelle Interesse stehe immer über jenem der Studie, hielt Kummer fest.

Zudem formulierte die Ethikkommission weitere Einschränkungen. So wurden die Patienteninformationen und Fragebögen als ungenügend bezeichnet. Diese müssten nun überarbeitet werden. Die von den Verantwortlichen angekündigte Auskunftsgebühr für Eltern bezeichnete die Kommission zudem als unhaltbar.

Keine Anfechtungen erwartet
Das Studienprotokoll sei nach der Prüfung der EKBB viel besser und weise «nur noch wenige Mängel auf», so Kummer. Er rechnet damit, dass die Sesam-Forschenden die Auflagen innert drei Wochen erfüllen und die EKBB dann definitiv grünes Licht geben könne. Die Ethikkommissionen an den anderen Forschungsstandorten können laut Kummer nach dem EKBB-Entscheid verkürzte Prüfungen vornehmen. Sie seien aber in ihrem Entscheid frei. Der EKBB-Entscheid ist zwar anfechtbar, doch bei den bisher über 2000 Studien-Prüfungen sei noch keine formelle anfechtbare Verfügung nötig geworden, hiess es.

Die Langzeitstudie hat die Zunahme der psychischen Erkrankungen im Fokus. Ziel ist es, die Ursachen aufzudecken, die zu einer gesunden psychischen Entwicklung führen. Dabei sollen gesundheitsfördernde und schützende Faktoren identifiziert und die Grundlagen für die Entwicklung wirksamer Prävention und Behandlung bei psychischen Krankheiten und Lebenskrisen entwickelt werden. Dafür sollen 3000 Kinder bis in Erwachsenenalter von 20 Jahren sowie ihre Eltern und Grosseltern in ihre Studie einbezogen werden.

22,8 Millionen Franken
Für die Studie stehen in der ersten Phase rund 22,8 Millionen Franken zur Verfügung. Über zehn Millionen Franken steuerte der SNF bei, die Universität Basel, private Stiftungen und die Wirtschaft stellen 12,5 Millionen zur Verfügung.

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