Schweiz

Verhandlungen Nein, Dialog Ja

16. Mai 2007, 23:17

Der Bundesrat ist lediglich bereit, mit der EU zu gegebener Zeit den Dialog über die Frage der Holding-Besteuerung aufzunehmen. Verhandlungen werden offiziell ausgeschlossen.

Finanzminister Hans-Rudolf Merz und Aussenministerin Micheline Calmy-Rey verkünden die Position des Bundesrates.
Finanzminister Hans-Rudolf Merz und Aussenministerin Micheline Calmy-Rey verkünden die Position des Bundesrates.
Verhandlungen Nein, Dialog Ja: Das ist laut Finanzminister Hans-Rudolf Merz und Aussenministerin Micheline Calmy-Rey die Position des Bundesrates im Steuerstreit mit der EU.

Seit Montag hat die EU-Kommission ein Mandat des Ministerrates, mit der Schweiz über die Besteuerung von Holding-, Verwaltungs- und gemischten Gesellschaften zu verhandeln. Nach Ansicht der EU verletzen die kantonalen Steuerprivilegien als «staatliche Beihilfen» das Freihandelsabkommen von 1972.

Der Bundesrat stellte sich von Anfang an auf den Standpunkt, das Freihandelsabkommen betreffe ausschliesslich den Warenhandel. Kein Vertrag verpflichte die Schweiz dazu, ihre Unternehmensbesteuerung jener der EU-Mitgliedstaaten anzugleichen. Demnach gebe es auch nichts zu verhandeln.

Es geht um viel
Diese Haltung habe der Bundesrat am Mittwoch bekräftigt, sagte Merz am Mittwoch vor den Medien. Er wolle die Wettbewerbsfähigkeit und die Steuersouveränität der Schweiz erhalten, den Weg des Bilateralismus fortsetzen und entscheidungsreife Projekte wie die Unternehmenssteuerreform und den neuen Finanzausgleich nicht gefährden.

Laut Merz stehen beträchtliche wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel. Die 20’000 in- und ausländischen Holdings mit ihren 150’000 Mitarbeitern brächten dem Fiskus unter allen Titeln jährlich rund 7 Milliarden Franken ein. Ihre Abwanderung - wohl nach Offshore-Finanzplätzen - wäre «ein grösseres finanzpolitisches Problem».

Gewinnsteuern senken?
Was die Schweiz der EU anstelle von Verhandlungen anbietet, ist nach den Worten des Finanzministers «ein Dialog ausserhalb jedes Verhandlungskonzepts und Mandats». Ziel dieses Dialogs sei nicht eine vertragliche Lösung. Vielmehr gehe es darum, die gegenseitigen Standpunkte zu erläutern.

Merz wurde beauftragt, den Dialog vorzubereiten und dem Kollegium zu gegebener Zeit Vorschläge zu machen. Das werde noch einige Zeit dauern, sagte er. Ergäbe sich dereinst nach den Gesprächen mit der EU ein Handlungsbedarf, würde die Schweiz «autonom handeln».

Für diesen Fall denkt der Finanzminister vorab an eine Senkung der Gewinnbesteuerung, wie er bereits Ende April in einem Zeitungsinterview gesagt hatte. Die 20'000 Holdinggesellschaften sollten jedenfalls schon heute wissen, «dass sie nicht mit Verschlechterungen rechnen müssen».

Bisher keine Belastung
Die Schweiz habe den Dialog nie verweigert, sagte Bundespräsidentin Calmy-Rey. Bis heute habe die Steuerkontroverse die Beziehungen zur EU nicht belastet. Den bilateralen Besitzstand zu wahren und rasch auch auf die jüngsten beiden EU-Länder Rumänien und Bulgarien auszudehnen, sei die erste Priorität.

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