Obwaldens Steuerpläne gehen auf

14. Februar 2007, 10:05

Der Kanton Obwalden fürchtet sich nicht vor dem Steuerstreit mit der EU. Sein Modell kommt ohne Holding-Privileg aus und scheint gut zu funktionieren.

Von Thomas Bolli, Sarnen

Er strahlt, der Obwaldner Finanzdirektor Hans Wallimann. Nicht, weil der Tag besonders heiter ist, nein, wegen der Bilanz 2006: Mit seinem Kanton, der zu den wirtschaftlich schwächsten in der Schweiz gehört, geht es aufwärts.

Das letzte Jahr war das erste, in dem das neue Steuerregime angewendet wurde. Ein gutes Jahr: Die Staatsrechnung schliesst mit einem Überschuss von 11,6 Millionen Franken ab, es sind mehr Leute in den Kanton gezogen als in den Vorjahren, und es sind neue Arbeitsplätze entstanden. Zudem zählt der Kanton total 345 Firmen mehr als Ende 2005; zuvor hatte der Zuwachs maximal 70 Firmen pro Jahr betragen. Im Januar 2007 wurden bereits wieder 44 neue Unternehmen registriert.

«Obwalden kennt das Holding-Privileg nicht», sagt Hans Wallimann. Was Obwalden neu auszeichne, sei die tiefe Gewinnbesteuerung von juristischen Personen, und die sei zurzeit nicht im Fokus der EU. Im Übrigen seien die Verhandlungen mit der EU nicht Sache der Kantone, sondern des Bundes.

Neben der tiefen Gewinnbesteuerung zeichnet sich das Obwaldner Steuermodell durch den degressiven Steuertarif aus, der ab Einkommen von 300 000 Franken pro Jahr wirksam wird. Die Klage, die der Waadtländer Nationalrat Josef Zisyadis dagegen eingereicht hat, ist weiter beim Bundesgericht hängig.

Laut Wallimann sind 2006 über zehn Personen nach Obwalden gezogen, die von den degressiven Steuersätzen profitieren können. Das sind nicht viele, doch für den kleinen Kanton mit rund 34 000 Einwohnern ist das ansehnlich. Sollte das Bundesgericht degressive Steuern verbieten, wird das Obwaldens Strategie nicht zunichte machen. «Wir würden wohl versuchen, die Steuern auch bei den Einkommen zwischen 200 000 und 300 000 weiter zu senken», sagt Wallimann.

Noch nicht viele neue Arbeitsplätze

90 bestehende Firmen sind 2006 nach Obwalden gezogen. Sie kamen aus der ganzen Schweiz, weniger als die Hälfte davon stammt aus umliegenden Kantonen. Die Holdings und Domizilgesellschaften haben noch nicht viele Arbeitsplätze geschaffen - die Obwaldner Anwälte und Treuhänder haben jedoch direkt von ihnen profitiert. Nun sollen aber auch neue produzierende Grossfirmen in Obwalden starten. So will etwa das Genfer Uhrenunternehmen Franck Muller in Obwalden eine Manufaktur eröffnen, auch das medizintechnische Unternehmen Leuag will neu in Obwalden arbeiten.

Hans Wallimann macht nicht allein die Obwaldner Steuerstrategie für die gute Bilanz verantwortlich. Dazu beigetragen hätten auch die gute konjunkturelle Lage sowie Mehreinnahmen des Bundes. Und: «Wir haben viel Vorbereitungsarbeit geleistet.» Zum Beispiel die Verwaltung umgebaut und die Gemeindesteuerverwaltungen zusammengelegt.

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