Schweiz

Anna Göldin wird nicht rehabilitiert

04. Juni 2007, 14:25

Anna Göldin, 1782 als Hexe hingerichtet, wird nicht rehabilitiert. Zumindest nicht durch den Reformierten Kirchenrat des Kantons Glarus. Die Kirchenoberen betonen aber, dass Hexenverfolgung in jeglicher Form zu verurteilen sei.

Szene aus «Anna Göldin, letzte Hexe» (1991). Anna Göldin, dargestellt von Cornelia Kemper wird dabei abgeführt.
Szene aus «Anna Göldin, letzte Hexe» (1991). Anna Göldin, dargestellt von Cornelia Kemper wird dabei abgeführt.
An Prozess und Hinrichtung war neben der weltlichen Obrigkeit auch die Kirche beteiligt. Die Glarner Regierung entschied vor kurzem, auf eine offizielle Rehabilitation könne verzichtet werden. Sie sei im Bewusstsein der Glarnerinnen und Glarner längst erfolgt. Die Geschichte sei, ohne etwas zu beschönigen, aufgearbeitet worden.

Nun hat letzte Woche auch die Exekutive der kantonalen reformierten Kirche, der evangelisch-reformierte Kirchenrat, beschlossen, ein formeller Rehabilitationsakt sei nicht mehr nötig. Er müsste allenfalls dann erfolgen, wenn man annehmen müsste, dass Prozess und Hinrichtung von Anna Göldi in der hiesigen reformierten Kirche heute noch nicht verurteilt und verabscheut würden.

Kirche verweist auf literarische Aufarbeitung
Die historische und literarische Aufarbeitung sei erfolgt, schreibt der Kirchenrat in seiner Stellungnahme an die Synode, das Kirchenparlament. Wichtig sei, den Blick zu schärfen für «heutige vergleichbare Ungeheuerlichkeiten».

Unabdingbar sei auch, bewusst für die Würde des Menschen und gegen Diffamierung und Ausgrenzung einzustehen und wenn nötig zu kämpfen. Dazu gehöre auch die Sensibilisierung für heutige Formen der «Hexenverfolgung». Der Kirchenrat verweist auf eine Ausstellung im Kunsthaus Glarus, welche sich mit Frauenhandel und Zwangsprostitution auseinandersetzt (bis 10. Juni).

Hintergrund der Kontroverse um die Rehabilitation der «letzten Hexe Europas» ist der 225. Todestag am 13. Juni, der zum Anna-Göldi-Tag ernannt wurde. Dann wird das neueste Buch zum Thema präsentiert: «Der Justizmord an Anna Göldi» des Glarners Walter Hauser.

Im September wird zudem im glarnerischen Mollis ein Museum eröffnet. Hinter diesen Aktivitäten steht die im März gegründete Anna-Göldi-Stiftung.

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