Schweiz

Das Aus für «Facts»

20. Juni 2007, 19:58

Das Nachrichtenmagazin «Facts» wird nach zwölf Jahren eingestellt. Der Tamedia-Konzern begründet den Schritt mit dem fehlenden wirtschaftlichen Erfolg und fehlenden Perspektiven. 53 Stellen werden gestrichen.

In den zwölf Jahren des Bestehens habe «Facts» lediglich in einem Jahr keine Verluste geschrieben, hält der Tamedia-Konzern fest. Auch Neugestaltungen 2004 und zuletzt 2006 hätten nicht den erhofften wirtschaftlichen Erfolg gebracht, sagte Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer auf Anfrage. In den letzten Monaten seien zwar verschiedene Zukunftsoptionen für «Facts» geprüft und Verhandlungen mit möglichen Partnern geführt worden. Leider habe sich keine der Optionen als wirtschaftlich tragfähig erwiesen.

Insbesondere mit dem deutschen Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» ist über eine Zusammenarbeit im Hinblick auf eine Schweizer Split-Ausgabe verhandelt worden. Unter den Bedingungen des Hamburger Spiegel-Verlags habe das Projekt jedoch keine wirtschaftliche Perspektive gehabt, sagte Zimmer.

«Verwaltungsrat und Unternehmensleitung von Tamedia sehen deshalb im vielfältigen und hart umkämpften Wochenmarkt keine Perspektiven für das Nachrichtenmagazin», heisst es nun in der Mitteilung. Alle Entscheide zur Einstellung stünden unter dem Vorbehalt der Ergebnisse der Konsultation der Mitarbeitenden. Laut Zimmer haben die Mitarbeitenden die Möglichkeit, Vorschläge zu machen, wie die Schliessung noch abgewendet oder die Folgen gemildert werden könnten.

Die letzte Ausgabe soll voraussichtlich am kommenden 28. Juni erscheinen. Die Auflage liegt bei 73'000 Exemplaren.

64 Mitarbeitende betroffen
Mit der Einstellung von «Facts» werden in der Redaktion und im gemeinsamen Verlag Zeitschriften von Tamedia insgesamt 53 Stellen abgebaut. Für die betroffenen 64 Mitarbeitenden werde nach anderen Arbeitsstellen innerhalb der bestehenden Medien und der geplanten Projekte gesucht.

Im Fall von Kündigungen stelle Tamedia ergänzende Leistungen zur Verfügung. Diese sehen laut Mitteilung beispielsweise bei einer ordentlichen Kündigungsfrist von drei Monaten eine Verlängerung der Frist bei Stellenlosigkeit um maximal drei Monate oder die Kompensation eines allfälligen Lohnunterschieds während maximal acht Monaten bis Ende Mai 2008 vor.

Den «Facts»-Abonnenten wird die Umwandlung des laufenden Abonnements in Abos der übrigen Titel angeboten. Im Vordergrund steht das Angebot der «SonntagsZeitung». Werbekunden können bereits gebuchte Inserate in anderen Zeitungen oder Zeitschriften des Verlags veröffentlichen.

Sonntagszeitungen als Hauptkonkurrenz
Die Hauptkonkurrenz für «Facts» waren laut Zimmer die Sonntagszeitungen, die in den letzten Jahren ihre Redaktionen ausgebaut hätten und sich erfolgreich im Markt der wöchentlichen Publikationen behauptet hätten.

Facts habe zwar in den letzten drei Jahren die Leserzahlen - im Gegensatz zu Weltwoche, Cash oder Bilanz - bei knapp unter 440'000 halten können. Dies habe allerdings nicht zum Überleben gereicht. 1999 wurden für Facts noch 609'000 Leserinnen und Leser ermittelt.

«Der Spiegel» drängt in die Schweiz
Das Aus für «Facts» kommt einen Monat nach der Bekanntgabe der Grossübernahme des Tamedia-Konzerns in Bern und drei Wochen nach dem Beschluss von Ringier, die Wirtschaftszeitung «Cash» einzustellen. Mit der Übernahme von 80 Prozent der Berner Espace Media Groupe für 205 Millionen Franken in bar und 600'000 Tamedia-Aktien wird die Herausgeberin von «Tages-Anzeiger» und «20 Minuten» die Nummer 1 auf dem Schweizer Markt und hinter Ringier der zweitgrösste Medienkonzern des Landes.

Über eine Einstellung des serbelnden Nachrichtenmagazins «Facts» war schon vor diesem Überraschungscoup spekuliert worden. So hatte der langjährige Chefredaktor der «SonntagsZeitung», Andreas Durisch, im November 2005 zusätzlich den Posten des Chefredaktors bei «Facts» übernommen. In jüngster Zeit kam die Nachricht, dass das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» am kommenden Montag mit einer Schweizer Split-Ausgabe die Fühler auf den Schweizer Markt ausstreckt. Die Ringier-Wirtschaftszeitung «Cash» wird ebenfalls nächste Woche zum letzten Mal erscheinen. Dort verlieren 46 Angestellte ihre Stelle.

Medienlandschaft wird umgepflügt

Die Schweizer Medienlandschaft ist im Umbruch. Die Einstellung des Nachrichtenmagazins «Facts» folgt nur wenige Wochen, nachdem Ringier das Aus für sein Wirtschaftsmagazin «Cash» bekannt gegeben hatte. «Cash» erschien 18 Jahre lang, hatte es aber in den letzten Jahren auf dem Anzeigenmarkt schwer gehabt. Laut Ringier sollen die betroffenen 46 Mitarbeiter mehrheitlich im Konzern weiterbeschäftigt werden.

Ob die Lücken, die die beiden wöchentlich erscheinenden Publikationen hinterlassen, bald wieder gefüllt werden, ist unsicher: Immerhin streckt das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» seine Fühler in die Schweiz aus. Am 25. Juni erscheint es mit einer - vorerst einmaligen - Schweizer Split-Ausgabe.

Klar ist, dass andererseits im Herbst zwei neue grosse Zeitungen auf den Markt kommen: Zum einen lanciert die «Mittelland Zeitung» eine Sonntagsausgabe. Zum andern hat eine Gruppe um den Ex-«Blick»-Chefredakor Sacha Wigdorovits eine Gratiszeitung angekündigt. (SDA)

Schweiz

Meistgelesen in der Rubrik Schweiz

Lokale Suche

Marktplatz

Umfrage

Sollen Betreibungsämter künftig vor der Ausstellung eines Zahlungsbefehls zumindest oberflächlich prüfen, ob die Forderung besteht?




Umfrage

Soll man Fussballspiele in der Super League nur noch unter Auflagen zulassen?




AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz

Treuhänder/in FA als Generalist/in Jobs und Personal, Mittelland

Verwaltungsleiter/in 100% des DreispartenbetriebesTheater und Orchester Biel Solothurn – TOBS Theater und Orchester Biel Solothurn TOBS, Biel

Elektroingenieur FH/ETH Engineering Management Selection E.M.S. AG, Schweiz

AKTUELLE JOBS

Marktplatz

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen