Espace Media übernimmt «Bund»

26. Juni 2007, 21:08

Die NZZ hat ihr Interesse am Berner «Bund» verloren. So die Wettbewerbshüter einwilligen, gehören künftig beide Berner Zeitungen mehrheitlich Tamedia.

Von Iwan Städler

Die Bereinigung der Schweizer Presselandschaft schreitet rasant voran. Nachdem Tamedia, die auch den «Tages-Anzeiger» (TA) herausgibt, die Übernahme der Berner Espace Media Groupe angekündigt hat, mag die NZZ nicht mehr an ihrer Beteiligung am «Bund» festhalten. Bisher gehörten ihr 40 Prozent der Zeitung. Weitere 20 Prozent hielt die Publigroupe, die mit der NZZ verbandelt ist. 40 Prozent besass bereits bisher die Espace Media Groupe (EMG).

Nun übernimmt die EMG sämtliche Aktien, wobei die Initiative dazu weder von ihr noch von Tamedia aus ging. Laut übereinstimmenden Aussagen strebte die NZZ über deren «Freie Presse Holding» den Verkauf an. Damit ermögliche man Tamedia «die Integration des Berner Modells in ihre Gesamtstrategie», teilte die NZZ gestern mit. Doch die neue Besitzerin scheint sich über die neuen Möglichkeiten nicht nur zu freuen. Stattdessen bedauerte Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer den Schritt der NZZ. Damit schaffe sie «zusätzliche Verunsicherung».

Das wirkt seltsam: Als wollte jemand der Konkurrenz helfen, indem er ihr Aktien verkauft, die diese gar nicht will. In Tat und Wahrheit ist der «Bund»-Anteil für die NZZ nicht mehr viel wert. Mit der EMG-Übernahme durch Tamedia sah sie ihre Felle in Bern ohnehin davon schwimmen. Aus drei Gründen: Erstens könnte der «Bund» (Auflage: 60’000 Exemplare) unter Druck kommen, wenn die «Berner Zeitung» (160’000 Exemplare) mit dem «Tages-Anzeiger» zusammenspannt und so die Qualität steigert und die Kosten senkt. Zweitens dürften die neuen Gratisblätter den Tageszeitungen noch einmal zusetzen – auch in Bern. Drittens hätte Tamedia wohl kaum zugelassen, dass der «Bund» einen Verbund mit den übrigen NZZ-Regionalzeitungen in St. Gallen und Luzern bildet.

Also nutzte die NZZ ihre Option aus einem Vertrag von 2003 mit der EMG und stieg zu einem damals vereinbarten – geheim gehaltenen – Preis aus. Als Folge davon übernahm die EMG auch den Publigroupe-Anteil. Laut Patrik Ducrey von der Wettbewerbskommission dürfte der Handel nicht bewilligungspflichtig sein. Auch werde er die Beurteilung der EMG-Übernahme durch Tamedia kaum beeinflussen.

Der «Bund» muss rentieren
Stimmen die Wettbewerbshüter der Übernahme zu, kontrolliert Tamedia – nebst dem «Tages-Anzeiger» und der «Thurgauer Zeitung» – künftig beide Berner Tageszeitungen vollständig. Die Frage ist, was sie damit macht. Die Espace Media Groupe teilte heute mit, das so genannte «Berner Modell» mit beiden Zeitungen unter einem Verlagsdach werde auch künftig «unter den gleichen wirtschaftlichen und publizistischen Kriterien» weitergeführt. Laut EMG-Sprecher Christopher Wehrli heisst dies ausgedeutscht, dass der «Bund» rentieren muss. Das dürfte in diesem Jahr der Fall sein. Ob es auch nach dem Angriff der Gratiszeitungen so bleibt, ist ungewiss.

Professor Roger Blum vom Institut für Medienwissenschaft der Uni Bern könnte sich eine redaktionelle Zusammenarbeit des «Bund» mit anderen Tamedia-Zeitungen vorstellen, nachdem «die NZZ wenig Ideen entwickelt hat». Tatsächlich würde der Bund von der publizistischen Ausrichtung her besser zum TA passen als die «Berner Zeitung». Letztere ist aber der stärkere Partner. «Bund»-Chefredaktor Artur K. Vogel gibt sich gelassen. Vorerst erwarte er «keine grossen Auswirkungen». Zumindest für einige Monate sei der «Bund» nun «in rein bernischen Händen».

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