Wahlkampf auf Kosten der Jugend

12. Juli 2007, 11:09

Wie Parteien mit dem Thema Jugendgewalt umgehen, stört die Jugendverbände. Einzelne Politiker verwenden verzerrte Darstellungen und stellen propagandistische Forderungen, sagen sie.

Nur eine kleine Minderheit der Jugendlichen wird straffällig.
Nur eine kleine Minderheit der Jugendlichen wird straffällig.
Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV) beklagt die Instrumentalisierung des Themas durch Parteien für den Wahlkampf. Sie fordert die Parteispitzen auf, die Relationen zu wahren. 98 Prozent der Kinder und Jugendlichen würden nämlich nie delinquent. Repression und tieferes Strafalter griffen zu kurz.

Kinder und Jugendliche würden einmal mehr «gesamthaft als Problemfaktor» dargestellt, anstatt die Potenziale für die konstruktive Entwicklung der Gesellschaft zu betonen.

Der SAJV fordert deshalb die Partei- und Fraktionsspitzen auf, die Diskussion über Jugendkriminalität und Jugendgewalt stets in die richtigen Relationen zu rücken und «keinen Wahlkampf auf Kosten der Kinder und Jugendlichen zu führen».

Repression ist nur Symptombekämpfung
Starke und selbstbewusste Kinder und Jugendliche greifen laut SAJV viel weniger schnell zu Gewalt. Verantwortungsbewusstsein für sich und das Umfeld seien jedoch kein Zufall, sondern könnten mit entsprechender Unterstützung gelernt werden. Verstärkte Repression oder das Herabsetzen des Strafalters seien reine Symptombekämpfung und griffen als Massnahmen zu kurz.

Es gehe viel mehr darum, Kinder und Jugendliche zu fördern, gemeinsam passende Lösungen zu suchen und bestehende Präventionsansätze auszubauen. Kinder und Jugendliche müssten im Sinne einer ganzheitlichen Politik als Ressource in den politischen Willensbildungsprozess einbezogen werden, fordert der Verband.

Laut SAJV werden sich an der Eidgenössischen Jugendsession vom kommenden 21. bis 24. September zweihundert Jugendliche aus der ganzen Schweiz mit dem Thema «Jugendkriminalität» befassen. Parteien und Fraktionen werden zu einem direkten Dialog eingeladen.

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