Schweiz

Mit Pflanzengift auf Stimmenfang

19. Juli 2007, 00:01

Die Schweizerische Volkspartei behauptet, ihre Feldwerbung sei «ganz natürlich». Doch nun stellt sich heraus, dass sie dabei Herbizide eingesetzt hat.

Giftige SVP-Werbung bei Mellingen.
Giftige SVP-Werbung bei Mellingen.
Von Thomas Knellwolf, Mellingen

«Mein Zuhause, unsere Schweiz» - diesen Slogan erblicken täglich Zehntausende von Zugpassagieren, wenn sie auf der Strecke Aarau - Zürich aus dem Fenster gucken. Die Schweizerische Volkspartei hat ihr Wahlmotto in solchen Dimensionen in ein Feld vor dem Bahnhof Mellingen-Heitersberg mähen lassen, dass es auch von Weitem nicht zu übersehen ist.

Etwas erhöht prangen die Buchstaben SVP in der Wiese. Die Riesenletter sind gelblich-weiss. Wer vorbeibraust, ahnt nicht, woher die unnatürliche Farbe stammt.

Ein SVP-Nationalrat fordert Blumen
«Die SVP will mit dieser Feldwerbung auch die Verbundenheit zur einheimischen Landwirtschaft ausdrücken», hatte SVP-Wahlkampfleiter Toni Brunner im vergangenen Mai frohlockt, als er das genau gleiche, aber noch grössere Wahllogo auf einem Feld beim Zürcher Flughafen präsentierte. Der St.Galler Nationalrat beteuterte damals, die Agro-Propaganda entstünde «ganz natürlich».

Jetzt stellt sich heraus, dass für den Bauer Brunner «ganz natürlich» den Einsatz von Pflanzengiften nicht ausschliesst. Um das Parteikürzel SVP in den Boden zu ätzen, wurde nämlich ein Totalherbizid eingesetzt. Der Feldwerbungspionier Thomas Stutz von der Fima-Trend GmbH gab gestern zu, dass er bei der neuartigen Wahlwerbung das Pflanzenschutzmittel Roundup verwendet hat. Roundup, ein Totalherbizid, bringt alle Grünpflanzen zum Absterben, auf die es gesprüht wird.

SVP-Sympathisant Stutz rechtfertigt sich damit, dass bei der Kartoffel- oder Zwiebelaussat mehr und gefährlichere Gifte zum Einsatz kämen. Der SVP-Nationalrat und Biobauer Hansjörg Hassler hingegen findet es «nicht gerade schön», dass seine Partei zu Werbezwecken Herbizide verwendet: «Ich hätte es lieber gesehen, wenn man die Buchstaben mit andersfarbigen Blumen sichtbar gemacht hätte.»

Ist die SVP-Werbung doppelt illegal?
Statt Blumen hat die SVP nun Ärger. Juristisch bewegt sie sich gemäss Felix Fraga von der Sektion Pflanzenschutzmittel des Bundes in einer «Grauzone». Herbizide dürfen nämlich nur für Indikationen eingesetzt werden, die das Bundesamt für Landwirtschaft bewilligt hat. «Ob im konkreten Fall ein Verstoss gegen eine Bestimmung vorliegt, müsste man genauer anschauen», sagt Fraga.

SVP-Feldwerbung zu sehen gibt es auch an der Autobahn beim luzernischen Dagmersellen sowie an der Bahnlinie zwischen Yverdon und Lausanne. Laut dem Bundesamt für Strassen ist zumindest die Luzerner Variante «illegal», weil sie Autofahrer ablenke und die Verkehrssicherheit gefährde. Am verätzten Feld im aargauischen Mellingen führt ebenfalls eine starke befahrene Strasse Feld vorbei.

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