Pegel sinken langsam

10. August 2007, 13:45

Die Hochwasserlage in der Schweiz hat sich am Freitag stabilisiert und entspannt. Der Pegel des Bielersees sank und jener des Thunersees stabilisierte sich.

Die meisten Hochwassergebiete meldeten am Freitagvormittag eine Entspannung. Derweil liefen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Zwei weitere Feuerwehrmänner verletzten sich in Thun respektive in Bösingen im Kanton Freiburg. Dort erlitt ein Mann beim Wasserabpumpen ein Thoraxtrauma. Damit stieg die Zahl der Unwetterverletzten auf zehn.

Bundespräsidentin Calmy-Rey wollte sich am Freitagmittag über die Ausmasse des Umwetters im Kanton Jura ein Bild machen, wie der Kanton bekannt gab. Sie wollte mit Kantons- und Gemeindevertretern von Delsberg die am meisten betroffenen Regionen besuchen.

Der Bielersee erreichte in der Nacht auf Freitag einem Stand von 430,9 Metern, was laut Bundesamt für Umwelt (Bafu) 20 Zentimenter über dem Hochwasser von 2005 lag. Seit Mitternacht sinkt der Pegel. Die Schleusen in Port bei Biel konnten geöffnet werden, so dass am Morgen pro Sekunde rund 300 Kubikmeter mehr Wasser aus dem Bielersee aus- als einflossen, wie Regierungsstatthalter Werner Könitzer sagte.

Ruhige Nacht in Thun

Auch beim Hagneck-Kanal bestehe mit dem aktuellen Wasserstand keine Gefahr, sagte Könitzer weiter. Der über 100 Jahre alte Kanal hat laut Könitzer Altersbeschwerden und muss Instand gestellt werden. Einen rückläufigen Pegel im Kanal konnte heute auch Christian Koch von der Abteilung Hydrologie beim Bafu bestätigen.

Nach einem weiteren Anstieg in den Morgenstunden hat sich der Thunersee laut Koch auf einer Höhe von 558,44 Metern, 14 Zentimeter über der Schadensgrenze stabilisiert. Abgesehen von einem Rohrleitungsbruch, der in der Thuner Innenstadt zu Überschwemmungen geführt hat, verlief die Nacht ruhig.

In der Stadt Bern sank die Wassermenge der Aare am frühen Freitagmorgen erstmals wieder unter die Schadensgrenze von 420 Kubikmeter pro Sekunde. Die Absperrdispositive entlang der Aare wurden aber vorerst noch aufrechterhalten.

Unter kritischer Marke in Basel

Auch im Kanton Aargau gingen die Pegelstände der Flüsse zurück. Laut kantonalem Führungsstab war die Lage nirgends mehr kritisch. Die beeinträchtigte Notstromversorgung des Kernkraftwerks Beznau konnte in der Nacht die geforderte Leistung wieder bereitstellen, so dass das Kernkraftwerk nicht heruntergefahren werden musste. In Olten kehrten die Evakuierten in ihre Häuser zurück.

Basel meldete, Rhein und Birs führten immer noch viel Wasser, doch unterhalb kritischer Marken. Doch dürfte die Hochwassersituation während Tagen andauern. Die Stadt Luzern gab bei stabilem Seepegel Entwarnung.

Vielerorts normalisierte sich auch die Lage auf den Verkehrswegen. Im Kanton Basel-Land war die H18 wieder befahrbar. Weiterhin gesperrt blieben allerdings die wichtigen Achsen Delsberg - Basel und Delsberg - Moutier im Jura. Freiburg meldete die Wiederherstellung der wichtigen Verbindungen. Gesperrt blieb das Gotteron-Tal. Vereinzelt blieben auch Strecken im Kanton Solothurn gesperrt. Wegen instabilem Gelände ist auch die Bahnstrecke Bern - Freiburg ist heute um 10.30 Uhr erneut unterbrochen worden.

Leuenberger wünscht Verletzten gute Besserung

Eine offizielle Stellungnahme des Bundesrats zu den Hochwassern in der Schweiz lag bis am Abend nicht vor. Nur Umweltminister Moritz Leuenberger äusserte sich – in seinem Blog.

Er sei froh, dass niemand ums Leben gekommen sei, schreibt Leuenberger. «Dennoch denke ich natürlich an die Verletzten und wünsche ihnen eine gute Besserung.»

Die nach den Unwettern von 2005 ergriffenen Massnahmen hätten sich bewährt und mitgeholfen, den Schaden zu begrenzen. «Es lohnt sich, mehr in Präventionsmassnahmen zu investieren, als später viel Geld für die Bewältigung der Schäden und die Aufräumarbeiten einsetzen zu müssen.» (SDA)

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