Drogenärzte geben Abstinenz als Ziel der Suchttherapie auf
13. August 2007, 06:14 Von Verena VonarburgSuchtmediziner bezeichnen Drogenentzüge als gefährliche Option in der Behandlung von Fixern. Sie wecken damit heftigen Widerstand.
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Das Bundesamt für Gesundheit hat brisante neue Leitlinien zur Behandlung von Heroinsüchtigen finanziert. Im Papier der Schweizerischen Gesellschaft für Suchtmedizin wird ausdrücklich vor der Abstinenz als Ziel gewarnt. Der Zürcher Suchtarzt Daniel Meili, Mitverfasser der Leitlinien, verlangt, man müsse «sich definitiv vom dogmatischen Ziel der Abstinenz» verabschieden, denn sie sei «eine gefährliche Option».
Ehemalige Fixer leben mit einem grösseres Risiko, nach einem Rückfall an einer Überdosis zu sterben. Dieser Befund dürfe noch lange kein Grund sein, die Abstinenz als Therapieziel zu streichen, sagen Drogenfachleute, welche die Suchtärzte vehement kritisieren. Die Grüne Barbara Mühlheim, Betriebsleiterin der Heroinabgabe in der Stadt Bern und eine der Pionierinnen in der Drogenpolitik, sagt, es sei «weder sinnvoll noch nachvollziehbar», dass die Abstinenz für gefährlich erklärt und damit in den Hintergrund gedrängt werde. Gerade bei jungen Menschen «ohne lange Suchtkarriere muss ein Entzug mit aller Entschiedenheit zumindest angestrebt werden».
Die Suchtärzte propagieren an Stelle der Abstinenz die Abgabe von Methadon. Doch ein Grossteil der Methadon-Konsumenten nimmt weiter Heroin und Kokain. «Hier müssen wir uns kritisch fragen, was schief läuft und wie wir die Behandlung verbessern können», sagt Mühlheim. Auch Gabriela Graber von der angesehenen Stiftung Terra Vecchia widerspricht: «Man suggeriert, alle Probleme würden mit Methadon gelöst, und das stimmt nicht.»
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