Neonazi-Kontakte: SD-Vize tritt zurück
23. August 2007, 23:08 Von Thomas KnellwolfRoland Wagner, der Vizepräsident der Schweizer Demokraten (SD) tritt auf Grund von Recherchen des «Tages-Anzeigers» per sofort von seinem Amt zurück.
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Bis gestern Abend war der 23-jährige Roland Wagner Vizepräsident der Schweizer Demokraten (SD). Kurz nach 19 Uhr rief er beim «Tages-Anzeiger» an. Die Worte fielen dem Spitzenkandidaten der Aargauer SD-Sektion für den Nationalrat schwer. «Ich will der Partei nicht schaden», sagte er. «Deshalb trete ich von meinem Amt zurück.» Er bleibt aber auf der Liste der Aargauer SD für den Nationalrat.
Zum Verhängnis wurden Wagner Enthüllungen über seinen neonazistischen Besuch aus Deutschland. Anfang August hatte er bekannten deutschen Rechtsextremen beigebracht, mit dem Sturmgewehr zu schiessen. In ersten Reaktionen tat Wagner diese Lehrstunde im Schiessstand der Schützengesellschaft Wölflinswil in der Aargauer Gemeinde Oberhof als private Sache ab.
Jetzt zeigten Recherchen, dass Wagner zu Monatsbeginn noch weitere und noch schlechter beleumdete Gäste aus Deutschland herumgeführt hat. Auf einem Agenturbild ist zu sehen, wie Wagner als flotter Wanderer am 5. August mit der Fricktaler Flagge auf dem Rütli aufmarschiert. Auf Nachfrage des «Tages-Anzeigers» bestätigt Wagner den Sachverhalt.
Die zwei harmlos aussehenden Personen im Schlepptau gehören zum harten Kern der Neonazi-Szene Rhein-Main: Mario Matthes ist bei der Nationaldemokratischen Partei Deutschland (NPD) Vorsitzender des Kreisverbandes Mainz-Bingen und gleichzeitig Führer der regionalen «Nationalen Sozialisten». Der deutsche Verfassungsschutz stuft beide Organisationen als rechtsextrem ein. Mirjam S., die mit Wagner und Matthes auf der Schweizer Nationalwiese aufkreuzte, gilt als führende Kraft im Nationalen Frauenkreis Mainz-Bingen.
Hinter Glatzköpfen versteckt
Gegen Mario Matthes wurde kürzlich ein Verfahren eröffnet, weil er an einer Kundgebung einem 16-Jährigen zwei Zähne rausgeschlagen hatte. In Erscheinung getreten ist der Pädagogikstudent mit dem strengen Haarscheitel bislang allerdings eher als Kader denn als Schläger: Emsig organisiert er rechtsextreme Aufmärsche, an denen er fleissig Reden hält. Bei seinem Besuch in der Schweiz verhielt er sich aber passiv. Die Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) hatte zum unbewilligten «Bräteln des nationalen Widerstandes» auf dem Rütli aufgerufen. Es kamen schliesslich 300 Gesinnungsgenossen zusammen, begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot.
Nicht bekannt war bislang, dass deutsche Rechtsradikale vor Ort waren. Ebenso wenig, dass ihnen ein Schweizer Demokrat den Weg zu den Kameraden von der rechtsextremen Pnos gewiesen hatte. Um nicht auf Pressebildern zu erscheinen, reihten sich Wagner, Matthes und S. in die hinteren Reihen der Schweizer Glatzköpfe ein. Die drei hatten allerdings nicht bemerkt, wie ein Fotograf ihren Anmarsch festhielt.
Mit den Rechercheresultaten konfrontiert, distanzierte sich SD-Parteipräsident Bernhard Hess gestern Abend von Wagner. «Die Schweizer Demokraten stehen im Gegensatz zur Pnos 100-prozentig zu den demokratischen Grundwerten», sagte er.
«Jeder Kandidat muss das wahrnehmen.» Darauf vermeldete Wagner seinen Rücktritt. Seine Sturmgewehrinstruktionen haben allerdings ein militärjuristisches Nachspiel. Kommende Woche muss Wagner beim Aargauer Kreiskommando zur Einvernahme antreten. Für das Schiessen mit Armeewaffen hätte der Besuch aus Deutschland eine Bewilligung gebraucht.
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