Schweiz

Die kleine Stadt plant bereits ihren nächsten Wurf

29. August 2007, 16:26 – Von Thomas Bolli

Das KKL steht noch keine zehn Jahre, und schon plant Luzern einen neuen Musiksaal. Die 100 Millionen Franken für den Bau sind bereits zusammen.

«Meines Wissens gibt es auf der ganzen Welt noch keinen solchen Raum», sagt Michael Haefliger, Intendant des Lucerne Festival und eigentlicher Initiant der sogenannten «Salle modulable». Der geplante multifunktionelle Saal für traditionelles und zeitgenössisches Musiktheater soll 2011/2012 eingeweiht werden und 1000 Besuchern Platz bieten. «Das Projekt ist ein Quantensprung und wird Luzern als Musikstadt von Weltrang positionieren», sagt Jürg Reinshagen, Stiftungsratspräsident von Lucerne Festival.

Private Geldgeber haben die 100 Millionen Franken für den Bau des Hauses bereits zugesichert – ein bemerkenswerter Umstand, der sich wohl nur aus der überzeugenden Idee und dem Erfolg des Kultur- und Kongresszentrum (KKL) erklären lässt, das Luzern vor neun Jahren eröffnen konnte.

Ein flexibler Saal

Das neue Haus soll das KKL mit einem der weltbesten Konzertsäle nicht konkurrenzieren, sondern dessen Angebot ergänzen. Zum Vergleich: Das KKL hatte weit über 200 Millionen Franken gekostet, Stadt und Kanton Luzern steuerten rund 120 Millionen bei. Die Mäzene des neuen Musiktheatersaals wollen anonym bleiben, heisst es. Das KKL konnte seinerzeit auf Leute wie etwa Paul Sacher oder Marc Rich zählen.

Das Konzept der «Salle modulable» stammt vom französischen Komponisten Pierre Boulez. Er wollte in den achtziger Jahren einen solchen innovativen Raum in der Opéra Bastille in Paris realisieren, scheiterte aber. Konventionelle Säle genügten zeitgenössischen Komponisten selten, es könne in ihnen zu wenig experimentiert werden, man arbeite oft gegen die Architektur, sagte Boulez in Luzern. Er hatte einst dazu aufgerufen, die alten Opernhäuser abzureissen. Michael Haefliger wiederum hatte schon lange von einem neuartigen Raum für Musiktheater und experimentelle Musik geträumt, von einem Raum, in dem Grenzen überschritten werden können.

Die Suche nach dem Standort

Die Säle im KKL eignen sich nicht dazu: Der Konzertsaal ist zu unflexibel, der so genannte Luzerner Saal zu klein und akustisch ungenügend. Zudem braucht Michael Haefliger neue Räume für Kammerkonzerte. Die heute genutzten sind nicht ideal. Durch eine Aufteilung der «Salle modulable» in zwei Säle liesse sich dieser Mangel kompensieren.

Noch ungeklärt ist die Frage, wo das neue Haus gebaut werden soll. Es braucht eine Fläche von rund 10’000 Quadratmeter. Die sind in der Stadt Luzern nicht so leicht zu finden. Allerdings stehen möglicherweise Grundstücke in der Nähe der Brauerei Eichhof oder neben dem Bahnhof zur Verfügung. Letzteres wäre besonders geeignet, liegt es doch keine 500 Meter vom KKL entfernt. Geplant ist, einen internationalen Architekturwettbewerb auszuschreiben. Ein Betriebskonzept soll – zusammen mit dem Luzerner Theater sowie Stadt und Kanton Luzern – bis im Frühling 2008 ausgearbeitet werden. Unklar ist, inwieweit sich die öffentliche Hand an den Betriebskosten des Hauses wird beteiligen müssen.

Die Idee, dass Luzern auch in der Sparte Musiktheater erstklassige Aufführungen bieten soll, passt gut in Luzern als Musik- und Theaterstadt. Gelingt der Bau, so ist man – wie seinerzeit beim KKL – versucht zu sagen: Kleine Stadt, grosser Wurf.

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