Schweiz

Vaterschaftsurlaub kommt ohne Abstriche

29. August 2007, 21:59 – Von Annetta Bundi

Wer Vater wird, darf beim Bund künftig fünf Tage bezahlten Urlaub nehmen. Anders als von Finanzminister Merz beantragt, soll dieser Ausbau nicht auf Kosten der Flitterwoche gehen.

In Dänemark und Schweden haben sich die Väter längst daran gewöhnt, nach der Geburt ihres Kindes einen bezahlten Urlaub zu erhalten. Nun setzt sich die Praxis auch in der Schweiz durch. Bei der Swisscom, Swiss Re, Credit Suisse und Migros haben die Väter Anspruch auf zwei freie Wochen, bei Novartis und der Raiffeisengruppe ist es eine. Ab nächstem Jahr profitieren auch die Bundesangestellten von einem Vaterschaftsurlaub. Das hat die Regierung gestern entschieden.

Statt der zwei Tage, die den Vätern bisher zugestanden wurden, erhalten sie neu fünf Tage bezahlten Urlaub. Diesen dürfen sie mit einem Sabbatical oder Ferientagen verlängern, falls es von den betrieblichen Abläufen her geht. Die Kosten, die dem Bund durch den Vaterschaftsurlaub entstehen, belaufen sich auf 800'000 Franken. Sie tauchen im Budget allerdings nicht direkt auf, da den Vätern ja kein Geld ausbezahlt, sondern «nur» zusätzliche Freitage gewährt werden. Die Departementschefs sollten die neue Regel deshalb ohne finanzielle Aufstockung umsetzen können.

Bund erstellt Inventar aller Freitage

Kassenwart Hans-Rudolf Merz machte nach der Sitzung keinen Hehl daraus, dass er den Ausbau des Vaterschaftsurlaubes am liebsten mit einem Abbau der derzeit für Hochzeit und Flitterwoche gewährten Freitage kompensiert hätte. Damit fand er bei seinen Kollegen aber keine Mehrheit — und so dürfen frisch Vermählte auch in Zukunft auf Kosten des Bundes sechs Tage freinehmen.

Gegen den von Merz eingebrachten Antrag sprach offenbar die Befürchtung, dass so Ehepaare ohne Kinder die Zeche für den aus gesellschaftspolitischen Gründen eingeführten Vaterschaftsurlaub bezahlen müssten. Das wäre in der Tat so. Finanzminister Merz kann darin allerdings nichts Schlechtes erkennen. «Sechs Tage Heiratsurlaub ist einfach zuviel», erklärte er nach der Bundesratssitzung. Man könne sich fragen, ob eine «Scheidungsurlaub» nicht sinnvoller wäre. Schliesslich sei eine Trennung mit mehr Aufwand verbunden als eine Hochzeit, fügte er scherzhaft an.

Die bezahlte Flitterwoche ist nicht die einzige Besonderheit beim Bund. Das geltende Recht räumt den Angestellten auch die Möglichkeit ein, für politische Mandate oder sportliche Einsätze Freitage zu beziehen. Dazu kommt eine überdurchschnittlich hohe Zahl an kirchlichen Feiertagen. Das gibt natürlich immer wieder zu reden. Es erstaunt daher nicht, dass der Bundesrat nun ein Inventar aller Freitage erstellen  und sodann eine Neubeurteilung vornehmen will.

Dass die Väter ab nächstem Jahr einen bezahlten Urlaub einlösen können, haben sie zum einen der Linken zu verdanken, die sich seit langem für dieses Anliegen einsetzt, zum anderen Wirtschaftsministerin Doris Leuthard. Ohne ihre familienpolitische Offensive vom Januar wäre der Bundesrat kaum über die Bücher gegangen. Zwar musste sie damals auf Intervention der Kollegen auf die Einführung des Vaterschaftsurlaubs verzichten. Die nun getroffene Lösung entspricht jedoch exakt ihrem Modell.

Generelle Lösung äusserst umstritten

Die Parteien befürworten mehrheitlich den Vaterschaftsurlaub. Die SP gibt sich mit dem Erreichten aber noch nicht zufrieden. «Wir müssen dafür sorgen, dass alle Väter zu ihren Babys schauen können», sagt Nationalrat Roger Nordmann. Dieses Recht dürfe nicht nur den beim Bund und den grossen Firmen beschäftigten Personen vorbehalten sein. Mit dieser Meinung ist er nicht allein: Im März hat sich auch der Nationalrat hinter seine Forderung gestellt. Wie es in der Sache weitergeht, zeigt sich nach den Wahlen, dann ist der Ständerat am Zug. An dieser Entwicklung hat die SVP keine Freude. Entsprechend scharf rügte sie gestern den Bundesrat: Es gehe nicht an, für sein Personal Privilegien zu schaffen, die von den Steuerzahlern bezahlt werden müssten.

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