Sorgen um das Image der Schweiz
08. Oktober 2007, 21:13 Von Daniel FoppaBundespräsidentin Micheline Calmy-Rey sorgt sich nach den Krawallen von Bern um das Ansehen der Schweiz. Auch die PR-Organisation Präsenz Schweiz ist alarmiert.
Der SVP-Wahlkampf verhilft der Schweiz zu ungewollter Publizität. Seit Wochen berichten ausländische Medien über SVP-Plakate, die Ausschaffungs-Initiative und eine in ihren Augen generell fremdenfeindliche Stimmung. Die Krawalle vom Samstag tragen ein Weiteres dazu bei, dass Journalisten das Klischee der heilen Alpenrepublik als definitiv überholt darstellen. So erschien in der «New York Times» ein langer Artikel über die SVP-Kampagne, und die «Süddeutsche Zeitung» widmet ihren heutigen Leitartikel dem SVP-Wahlkampf und den Ausschreitungen. Sie schreibt von einem «Ausbruch von Hass und Gewalttätigkeit, wie man dies bislang nur aus anderen Ländern kannte».
Fragen der Botschafter
In Bern reagiert man besorgt auf solche Berichte. Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey fand am Westschweizer Radio deutliche Worte: «Die Schweiz spricht mit allen Parteien in einem Konflikt, die Schweiz pflegt weltweit gute Beziehungen. Und nun ist man im Inland unfähig, diese Linie zu verfolgen und dieses Image zu pflegen.» Schweizer Botschafter hätten sich bereits erkundigt, wie sie auf Fragen nach den Ausschreitungen reagieren sollen. «Ich fürchte um unsere Sicherheit, ich sorge mich um unser Wohlsein, weil die Schweiz ein offenes Land ist, das einen von zwei Franken im Ausland verdient», sagte Calmy-Rey.
Wahlkampf wird weltweit beachtet
Beunruhigt ist auch Präsenz Schweiz. Die PR-Organisation des Bundes ist entstanden, als Ende der 1990er-Jahre Diskussionen um nachrichtenlose Vermögen und das Verhalten der Schweiz zur Nazi-Zeit den Ruf des Landes ramponierten. «Der Wahlkampf wird weltweit wahrgenommen, und er wird negativ wahrgenommen», sagt Direktor Johannes Matyassy. Die Lage werde täglich mit den Vertretungen im Ausland analysiert. «Wenn die Berichterstattung so weitergeht, besteht Handlungsbedarf», sagt Matyassy. Er denkt an Vorträge von Botschaftern oder an Einladungen an ausländische Journalisten. Der Direktor ortet viel Klärungsbedarf. «Oft wird vermutet, die stärkste Partei der Schweiz stelle wie in anderen Ländern auch automatisch Regierung und Ministerpräsident.» Generell wünscht sich Matyassy ein stärkeres Bewusstsein für die Folgen, die die Innenpolitik für das Image der Schweiz haben kann.
Mit keinen Auswirkungen rechnet derweil die Tourismuswirtschaft. «Das Klischee der Schweiz ist zu stark verankert», sagt Urs Eberhard, Vizedirektor Schweiz Tourismus. Dennoch wird derzeit in den USA, in England und in Deutschland abgeklärt, ob wegen der Krawalle Reisen annulliert werden. Bisher sei das nicht der Fall.
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