Bären-Vertreibung auf der Lenzerheide

12. Oktober 2007, 14:48

Der Braunbär auf der Lenzerheide hat in den vergangenen Wochen jede Nacht Abfallkübel und Kehrichtsäcke nach Futter durchstöbert. Nun wird alles getan, um das Raubtier von den Siedlungen fernzuhalten.

«Dieses Verhalten kann man nicht einfach hinnehmen», sagte der Bündner Jagdinspektor Georg Brosi heute der Nachrichtenagentur SDA. «JJ3», wie die Wildbiologen ihn nennen, hat sich an die leicht erreichbaren Futterquellen gewöhnt.

Zwar hat das männliche Jungtier, dem Mitte August ein Sender verpasst wurde, bisher keinen Menschen angegriffen. «Er weicht den Leuten aus und ist in keiner Weise aggressiv», sagte Brosi. Doch könne das Tier dann gefährlich werden, wenn es sich in die Enge getrieben fühle.

Abfall einschliessen

Um solche Risiken auszuschliessen, betreibt das Amt für Jagd und Fischerei einen Aufwand wie nie zuvor. Jede Nacht sind dem Bären mehrere Wildhüter auf den Fersen. Macht der Bär sich über Abfälle her, wird er mit Gummischrot beschossen. So soll ihm eingebläut werden, dass er dort nichts zu suchen hat.

Inzwischen ist es gelungen, das Tier aus den Zentren der Siedlungen fernzuhalten. «Doch ist das nur ein Teilerfolg», räumt Brosi ein. Ausflüge in bewohntes Gebiet müssten ihm ganz ausgetrieben werden.

Dazu braucht es neben Gummischrot vor allem einen anderen Umgang mit Abfall. Das Amt für Jagd und Fischerei appellierte an die Bevölkerung und insbesondere an die Gastronomen, Abfallsäcke und- container in der Nacht in den Gebäuden bärensicher einzuschliessen.

Zweiter Bär bleibt scheu
Sollte es nicht gelingen, «JJ3» zum Rückzug zu bewegen, müssten weitere Massnahmen in Erwägung gezogen werden. Welche das sein könnten, wird mit den Bundesbehörden besprochen. Den Braunbären einzufangen und anderswo wieder auszusetzen, steht laut Brosi nur als letztes Mittel zur Diskussion.

Der zweite Bündner Bär macht keine Schwierigkeiten. Er wurde letztmals anfangs Woche bei Buffalora am Ofenpass im Grenzgebiet des Nationalparks gesichtet. Von Siedlungen hält er sich fern.

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