Rechtsextremen-Demo blieb ruhig

13. Oktober 2007, 17:35

In Appenzell haben sich rund 120 Rechtsextremisten zu einer unbewilligten Demonstration gegen Kinderschänder versammelt. Die Kundgebung verlief friedlich.

Rechtsextreme demonstrieren in Gedenken an Ylenia gegen Kinderschänder.
Keystone Rechtsextreme demonstrieren in Gedenken an Ylenia gegen Kinderschänder.

Zur Demonstration hatten verschiedene rechtsextremistische Organisationen aufgerufen, darunter die Partei National Orientierter Schweizer Pnos, die Freie Nationale Kameradschaft Schweiz-Germania und der Kampfbund Nationaler Aktivistinnen.

Die rund 120 Aktivisten besammelten sich nach 13 Uhr auf dem Brauerei-Parkplatz, am Rande des Dorfkerns. Die Zugänge in das Dorfzentrum wurden von Polizeigrenadieren aus den Ostschweizer Polizeikonkordats-Kantonen abgeriegelt.

Blumen für Ylenia

Die Behörden erlaubten schliesslich den Rechtsextremen auf der Sitterstrasse zum rund 700 Meter entfernten Hallenbad zu marschieren, wo sie Blumen niederlegten. Am 31. Juli war beim Hallenbad die fünfjährige Kindergärtlerin Ylenia entführt worden, die am 15. September ermordet in einem Wald bei Oberbüren (SG) aufgefunden wurde.

Die Rechtsextremisten hatten dieses tragische Ereignis benützt, um sich politisch in Szene zu setzten. Die Familie des ermordeten Mädchens hatte sich ausdrücklich davon distanziert.

Grosses Polizeiaufgebot

Ursprünglich wurde das von einer Einzelperson gestellte Demonstrationsgesuch vom Bezirksrat Appenzell bewilligt. Nachdem bekannt geworden war, dass dahinter rechtsextremistische Kreise stehen, wurde die Bewilligung widerrufen.

Der Appenzell-Innerrhoder Polizeidirektor Melchior Looser sagte im Vorfeld der Kundgebung, dass die Polizei gegen die Durchführung des unbewilligten Anlasses «rigoros einschreiten» würde. Dies sei nicht nötig gewesen, erklärte Polizeisprecher Roland Koster, nachdem sich gegen 15 Uhr die Demonstration aufgelöst hatte. «Von einer Demonstration kann nicht die Rede sein», erklärte er. Es sei eher ein «Gedenkmarsch» gewesen.

Von den Behörden ist befürchtet worden, dass auch linksextreme Kreise in Appenzell auftauchen würden und es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Lagern kommen könnte. Trotz vereinzelten Aufrufen auf linksextremistischen Webseiten haben sich aber keine Aktivisten aus diesem Lager in Appenzell eingefunden.

Schweiz

Meistgelesen in der Rubrik Schweiz

Gestohlene Bankdaten in Deutschland

Alles zu den UBS-Zahlen

Die Top-Themen im

Guantánamo-Häftlinge in der Schweiz

Foto-Wettbewerb Januar

WEF in Davos

Hereinspaziert in den Airbus A380

Alles über den Airbus A380

Unruhe bei der Post

Die Schneebilder der Leser




© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten