Schweiz

Ein grosser Sympathieträger mit starker Bodenhaftung

26. Oktober 2007, 20:35 – Von Antonio Cortesi

Der St. Galler SVP-Chef Toni Brunner gilt als Blochers Wunschkandidat fürs nationale Präsidium. Sein Handicap: Der bauernschlaue Siegertyp spricht kein Französisch.

Toni Brunner, Landwirt aus Ebnat-Kappel, ist erst 33-jährig, hat aber bereits 1995 für Furore gesorgt, als er als jüngster Nationalrat gewählt wurde. Der Toggenburger ist ein treuer Parteisoldat von Übervater Christoph Blocher, aber trotzdem über die Parteigrenzen hinweg beliebt. Er hat einen gleichermassen jovialen wie markigen Auftritt und durfte bei den vergangenen Wahlen als nationaler Wahlkampfleiter amten. Dennoch wird er von vielen noch immer nicht ganz ernst genommen.

Ueli Maurer erging es ähnlich, als er 1996 das nationale Parteipräsidium übernahm: Blochers Ziehsohn wurde zunächst ebenfalls belächelt. Die Profile sind auch sonst deckungsgleich: Mauer ist ebenfalls stark in der Bauernwelt verankert, und seine Rhetorik ist bodenständig, wenn auch kantiger als jene von Brunner.

Will die Partei auf Kontinuität setzen, wäre Brunner Maurers idealer Nachfolger. Das scheint auch Blocher so zu sehen. Bereits im Sommer, als Brunner als Wahlkampfleiter berufen wurde, hatte der Bundesrat ihn im «Tages-Anzeiger» als «Naturtalent» mit grossem Potenzial bezeichnet. Auch Blocher-Intimus Christoph Mörgeli scheint eine klare Präferenz zu haben. Er hatte den Maurer-Rücktritt bereits Anfang Woche auf Radio DRS angedeutet und nannte Brunner noch vor Adrian Amstutz als möglichen Nachfolger.

Ständerat geht vor

Der Umworbene winkt aber ab - zumindest fürs Erste. Der Präsident der St. Galler Kantonalpartei will in seinem Kanton nämlich Ständerat werden. Dieses Amt habe für ihn «absolute Priorität». Sollte er am 25. November im zweiten Wahlgang gewählt werden, sei das nationale Parteipräsidium ausgeschlossen: «Das wäre vom zeitlichen Aufwand her nicht vereinbar.» Im Fall einer Nichtwahl würde er aber «die Sache nochmals anschauen».

Brunner tritt in St. Gallen gegen die beiden Bisherigen Eugen David (CVP) und Erika Forster (FDP) an. Sie entschieden heute, wiederum eine Allianz zu schmieden, um so den SVP-Herausforderer zu verhindern. Trotzdem sind Brunners Chancen intakt. Er hatte im ersten Wahlgang am meisten Stimmen gemacht, und die SVP konnte als grösste Partei erneut markant zulegen.

Beispielloser Erfolg in St. Gallen

Dennoch ist Brunner als Vizepräsident der SVP Schweiz gerne bereit, das Kandidatenprofil für die Maurer-Nachfolge zu skizzieren. Der Neue oder die Neue müsse in erster Linie eine Integrationsfigur mit hoher kommunikativer Kompetenz sein, sagt er. Interessant: Beides trifft just auf Brunner zu. Dank dieser Fähigkeiten hat der grosse Sympathieträger die erst vor 15 Jahren gegründete St. Galler SVP zu einem beispiellosen Erfolg geführt.

Verfügt er aber auch über die strategische Intelligenz, um eine nationale Partei zu führen? Mit Bauernschläue allein liessen sich analytische Defizite nicht wettmachen, sagen Skeptiker. Wenig geglänzt hat Nationalrat Brunner zudem bisher in der Sachpolitik.

Zum Stolperstein fürs SVP-Präsidium könnte schliesslich ein sprachliches Manko werden: Brunner spricht kein Französisch. Kenntnisse in der Sprache der Romands seien aber für einen nationalen Parteichef unabdingbar, sagt er selber. Allerdings, relativiert Brunner, sei Französisch auch für einen Ständerat wichtig. Diesbezüglich bestehe bei ihm so oder so ein Nachholbedarf.

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