Schweiz

Darwin gilt — und nicht die Bibel

05. November 2007, 21:21 – Von Jean-Martin Büttner

Die Berner Erziehungsdirektion reagiert: Ein umstrittenes Papier zur Schöpfungslehre wird überarbeitet. Fachleute hatten den Text heftig kritisiert.

Gerät der Religionsunterricht im Kanton Bern unter den Einfluss evangelikaler Kreise? Droht der wissenschaftlich entwickelten Evolutionstheorie von Charles Darwin Konkurrenz durch die biblische Schöpfungslehre, wie so genannte Kreationisten sie verbreiten? Die «NZZ am Sonntag» nährte diesbezügliche Befürchtungen. Ein neues Berner Lehrmittel für Volksschulen sei kreationistisch gefärbt, zitierte sie verschiedene Fachleute; wissenschaftliche Erkenntnisse über die Evolution würden der biblischen Schöpfungslehre gleichwertig gegenübergestellt.

Unzulässige Vermischung

Zu diesem Schluss ist nun auch die Berner Erziehungsdirektion gelangt. Man habe bereits reagiert und werde den entsprechenden Text überarbeiten, sagt Generalsekretär Robert Furrer auf Anfrage. Zwar habe Erziehungsdirektor Bernhard Pulver den Text noch nicht gesehen. Doch sei er in der Sache absolut derselben Meinung: «Die kreationistische Auffassung basiert nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.» Man könne sich im Religionsunterricht mit dieser Auffassung auseinander setzen. Nur formuliere diese keine gültige Antwort auf die Frage, wie die Welt entstanden sei. Der fragliche Text vermische aber die beiden Ebenen, und das sei nicht zulässig.

Die Lektüre des Textes belegt seine Kritik. Es handelt sich um ein mehrseitiges Einlageblatt zum Thema «Schöpfung und Evolution — Entstehung des Lebens». Es sollte ab dem 7. Schuljahr eingesetzt werden, im Fach «Natur — Mensch — Mitwelt», zu dem auch der Religionsunterricht gehört. Schon auf der ersten Seite wird ein Wissenschafter zitiert, der Evolutionslehre und biblische Auslegung für ähnlich hält; die allermeisten Texte neigen mehr oder weniger unverhüllt der Letzteren zu.

Krach in der Arbeitsgruppe

Eine Arbeitsgruppe erarbeitete den Text, bei dem sich kreationistische Ansichten durchsetzten. Die vom Erziehungsdepartement beauftragte Theologin verliess die Gruppe aus Protest und informierte ihre Vorgesetzten. Sie sei in der Gruppe auf Widerstand gestossen, sagt Furrer. Möglicherweise hätten einige Mitglieder «nicht realisiert, was da passiert».

Der Generalsekretär will mit den Betreffenden reden. Dass fundamentalistische Kreise in seinem Kanton an Einfluss gewinnen, glaubt er aber nicht. Erst recht nicht im Erziehungsdepartement: «Unsere Leute sind Wissenschaftler.»

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