Schweiz

«Der frühe Schnee ist die beste Werbung für die Skiorte»

13. November 2007, 19:56 – Von Thomas Bolli

Trotz des schönen Schnees kann man am Wochenende nicht überall Ski fahren. Die Saison wird meist langfristig geplant, doch es gibt auch Ausnahmen.

Winterliche Idylle: Das Skigebiet Stoos.
PD Winterliche Idylle: Das Skigebiet Stoos.

Geschneit hat es in den Bergen tüchtig. Und so früh wie selten. Da hüpft einem das Herz, und wenn man sich erinnert, wie lange der Schnee im vergangenen Jahr auf sich hatte warten lassen, dann hüpft das Herz gleich noch etwas mehr. Am Titlis bei Engelberg aber stehen die Bahnen vorläufig still. Obwohl man bereits im Oktober auf dem Gletscher Ski fahren konnte. Revisionsarbeiten sind angesagt: Seile spleissen, Getriebe revidieren usw. Arbeiten, die gesetzlich vorgeschrieben sind und die lange im Voraus organisiert wurden. Das ist auch bei der Schilthornbahn im Berner Oberland so und an anderen Ort so, wo die Wintersaison erst im Dezember startet.

«Wir fahren sonst das ganze Jahr über, diese Tage aber sind fix gegeben», heisst es bei den Verantwortlichen in Obwalden. Man revidiere im November, weil in dieser Zeit kaum Gäste aus China, Indien oder den USA auf den Titlis wollen - ein wichtiges Kundesegment in Engelberg. Ab 24. November aber fahren dann auch am Titlis die Bahnen wieder. Auf dieses Datum hin reisen viele Saisonangestellte in den Restaurants an.

Die Leute zusammentrommeln

Ganz anders auf dem Stoos im Muotathal. «Der Winter hat uns total überrascht, doch wir haben uns schnell organisieren können», sagt Barbara Bünter von den Sportbahnen. Viel Personal stamme aus der Region, zum Teil sind es Bauern, die jetzt wegen des Schnees zu Hause weniger zu tun haben. «Wir mussten die Leute zusammentrommeln, doch nun können wir am Wochenende einen Teil der Bahnen und Lifte laufen lassen», sagt Bünter. Ob sich der Aufwand finanziell rechnet, weiss sie nicht.

Schnell reagiert hat man auch auf Hoch-Ybrig, einem bei Zürchern beliebten Skigebiet im Kanton Schwyz. Geschäftsführer Wendelin Keller sagt nüchtern: «Wir sind flexibel, wenn es Schnee hat, beginnt bei uns die Saison.» Das werde geschätzt, die Zahl der Stammgäste mit Saisonkarte habe sich in den letzten 17 Jahren verzehnfacht. Die Revisionsarbeiten sind zum Glück abgeschlossen. Ein Teil des Servicepersonals hat jedoch die Ferien verkürzen müssen, und der frühe Start gelingt nur dank der einheimischen Angestellten, die voll mitmachen.

Vom Winde verweht

Mit anderen Problemen konfrontiert sehen sich den Verantwortlichen von den Bergbahnen Engadin St. Moritz AG. Bereits am 10. November hätten beispielsweise die Abfahrten an der Diavolezza geöffnet werde sollen. Stürmische Winde jedoch haben so viel Schnee verfrachtet, dass die Pisten nicht genügend präpariert werden konnten. Auch in einem anderen Bündner Skiort ist nicht alles wie geplant bereit. Von Laax aus kann man noch nichts ins Gebiet gelangen, weil der grosse Parkplatz für das neue Resort mit 1000 Betten noch nicht fertig ist. Die Gäste können jedoch von Flims ins Skigebiet fahren.

Wieder anders sieht es im Wallis aus. In Saas Fee etwa kann man seit Juli Ski fahren. Gestern allerdings standen die Bahnen still - wegen Sturmwinden. «Wir haben im Wallis genügend Orte, wo man jetzt schon Ski fahren kann», sagt Urs Zenhäusern, Direktor von Wallis Tourismus. Da mache es keinen Sinn, wenn jeder Ort versuche, so früh wie möglich die Saison zu eröffnen. Werbetechnisch mache das vielleicht Sinn, aber rentabel sei das bestimmt nicht. «Die Nachfrage ist jetzt noch zu klein», sagt Zenhäusern.

Das Flies hat wieder geholfen

Pragmatisch ist man in Andermatt. Am Wochenende werden die Lifte auf der Gurschenalp laufen. Die Pisten am Gemsstock selber, diesem Urner Traumberg, sind noch nicht bereit. Zwar hat das Flies, mit dem ein Teil des Gletschers und vor allem die heikle Rampe zwischen Seilbahnstation und Gletscher geschützt wurden, auch dieses Jahr seine Aufgabe erfüllt: Rund 80 Prozent des Schnees konnten erhalten werden. Der Aufwand für die Herrichtung der Abfahrt wird deshalb kleiner. Starke Winde aber haben auch hier viel Schnee verfrachtet, und da die Pisten zum Teil über sehr steiniges Gebiet führen, braucht es mehr Schnee als auf einer Piste, die auf einer Alp liegt.

«Wenn wir nur auf die Rentabilität schauen würden, dürften wir erst eine Woche vor Weihnachten die Bahnen laufen lassen», sagt Peter Heinzer, Direktor der Andermatt Gotthard Sportbahnen. Die grosse Gästeschar fehle noch. «Wenn Samih Sawiris sein Resort baut, wird sich die Situation für uns deutlich verbessern», sagt Heinzer.

«Der frühe Schnee ist die beste Werbung für die Skiorte im Alpenraum», sagt der Walliser Urs Zenhäusern. Vom frühen Schnee profitiert aber nicht nur, wer etwas zu verkaufen hat oder gerne Ski oder Snowboard fährt, sondern auch jene, die im Schnee wandern oder über Loipen gleiten. Bereits wurde an verschiedenen Orten gespurt, etwa in Realp UR, im Langis OW oder auch im Goms und auf der Lenzerheide. Dort sind bereits zwischen 35 und 40 Kilometer präpariert.

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