Eine Schlappe für den Mann des Lächelns

25. November 2007, 23:39 – Von Antonio Cortesi

Toni Brunner hat es in St. Gallen nicht geschafft, Erika Forster oder Eugen David aus dem Ständerat zu verdrängen. Nun könnte er als SVP-Präsident oder Regierungsrat kandidieren.

Die wiedergewählten Ständeräte Eugen David und Erika Forster.
Keystone Die wiedergewählten Ständeräte Eugen David und Erika Forster.

Vor fünf Wochen war Toni Brunner noch der strahlende Sieger. Der SVP-Nationalrat hatte beim ersten Gang der St. Galler Ständeratswahlen das beste Resultat erzielt und die beiden Bisherigen von CVP und FDP auf die Plätze zwei und drei verwiesen. Darüber hinaus legte die Partei von Kantonalpräsident Brunner erneut um 2,7 Prozent zu und schnappte der FDP einen Nationalratssitz weg.

Am Sonntag nun musste der erfolgsverwöhnte erst 33-jährige Toggenburger eine bittere politische Niederlage einstecken. Brunner verfehlte den Einzug in den Ständerat klar. Das beste Resultat machte die Freisinnige Erika Forster, gefolgt von Christlichdemokrat Eugen David. Immerhin 7940 Stimmen erhielt der Aussenseiter der Schweizer Demokraten, Thomas Manser.

«Alle gegen die SVP»

Sein Strahlelachen hatte der SVP-Jungstar heute dennoch nicht verloren. Vielleicht sei es gut, dass er «mal eins ans Schienbein erhalten» habe, witzelte Brunner, der die beiden Bisherigen im Wahlkampf keck als «Scheinbürgerliche» bezeichnet hatte. Zudem habe er einen schweren Stand gehabt, weil das Motto seiner Gegner «Alle gegen die SVP» gelautet habe.

In der Tat verdanken Erika Forster und Eugen David die erfolgreiche Verteidigung ihrer Mandate dem Umstand, dass das links-grüne Lager voll mitgezogen hat. Die Voraussetzungen dafür waren nicht schlecht: Die Kandidatinnen der SP und der Grünen - Regierungspräsidentin Kathrin Hilber und Yvonne Gilli - hatten auf einen zweiten Wahlgang verzichtet und ihre Wählerinnen und Wähler dazu aufgerufen, die Stimme den beiden Bisherigen zu geben. Der Aufruf erfolgte mit dem klaren Ziel, den SVP-Mann Toni Brunner zu verhindern.

Hohe Mobilisierung der Linken

Dennoch blieb offen, ob bei der Linken der Frust über den ersten Wahlgang nicht grösser sein würde als die Lust, für zwei bürgerliche Kandidaten an die Urne zu gehen. Dem war offensichtlich nicht so, wie die hohe Wahlbeteiligung von über 49 Prozent zeigt. Am grössten war die Mobilisierung der links-grünen Wählerschaft in der Stadt St. Gallen, wo Forster und David gleich doppelt so viele Stimmen holten wie Brunner.

Die beiden Bisherigen waren im intensiv geführten Wahlkampf offensichtlich darum bemüht, es der Linken etwas leichter zu machen. So betonten sie auffällig ihr Engagement in gesellschaftspolitischen und ökologischen Fragen. Letzteres fiel ihnen relativ leicht - zumal beide hohe Chargen in Umweltorganisationen bekleiden: Forster als Präsidentin der Schweizerischen Stiftung für Landschaftsschutz, David als Ehrenpräsident des Fonds Landschaft Schweiz.

Erika Forster dürfte zudem vom Frauenbonus profitiert haben, wie sie selber vermutete. Als Mutter von vier erwachsenen Kindern wisse sie, wovon sie rede, wenn es um gesellschaftspolitische Fragen gehe. Das verleihe ihr eine Glaubwürdigkeit, die sie auch für Linke wählbar mache.

Eugen David seinerseits führte seinen Erfolg auf die «Vernunft der Wähler» zurück: «Das Volk will eine Politik des Interessenausgleichs und nicht ein gespaltenes Land.» Beide betonten, dass sie nun im Ständerat die letzte vierjährige Legislatur anträten. Für Forster ist es die vierte, für David die dritte, wobei er zuvor bereits drei Legislaturen im Nationalrat sass.

Brunner hält sich noch bedeckt

Für Toni Brunner, Vizepräsident der SVP Schweiz, stellt sich nun die Frage, ob er sich für die Nachfolge von Ueli Maurer als nationaler SVP-Präsident bewerben will. Dazu hielt sich der als Topkandidat gehandelte Toggenburger heute noch bedeckt. Mit gutem Grund. Denn eine Option wäre auch eine Regierungskandidatur.

Im kommenden März finden im Kanton St. Gallen Gesamterneuerungswahlen statt. Und die SVP will als grösste Partei in der Exekutive erstmals einen Sitz erobern. Doch auch da will sich Toni Brunner noch nicht festlegen: «Dieses Amt steht für mich nicht im Vordergrund.»

Sitzverteilung Ständerat

SVP SP FDP CVP GP/GLP

07 03 07 03 07 03 07 03 07 03
Aargau 1 1

1 1




Appenzell-A.



1 1




Appenzell-I.





1 1

Im Frühling gewählt
Baselland

1

1




Basel-Stadt

1 1






Bern 1 1 1 1






Freiburg

1 1

1 1


Genf

1 1
1

1

Glarus 1 1

1 1




Graubünden 1 1



1 1


Jura

1 1

1 1


Luzern



1 1 1 1


Neuenburg

1 2 1





Nidwalden





1 1

Stille Wahl
Obwalden



1 1



Stille Wahl
Schaffhausen 1 1

1 1




Schwyz 1 1



1 1


Solothurn

1 1 1 1




St. Gallen



1 1 1 1

25.11.07
Tessin



1 1 1 1

18.11.07
Thurgau 1 1



1 1


Uri





2 2


Waadt

1 1
1

1

Wallis





2 2


Zug



1 1 1 1

Im Oktober 06 gewählt
Zürich
1

1 1

1
25.11.07
Schweiz: 7 8 9 9 12 14 15 15 3 0

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