Weniger Selbstmorde in der Adventszeit
30. November 2007, 14:19Selbstmorde sind im Winter seltener als im Sommer und gehen laut einer Studie der Universität Zürich in der Adventszeit nochmals stark zurück.
Gründe seien vermehrte soziale Kontakte wie etwa Familien- und Firmenanlässe. Wer die Krise bewältige, hole das Vorhaben zudem selten gleich im Frühjahr nach. Forscher der Psychiatrischen Universitätsklinik und des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin nahmen die tägliche Selbstmordhäufigkeit im Zeitraum von 1969 bis 2003 unter die Lupe. Dabei zeigt sich, dass die Zahlen bei Männern bereits Ende November und bei Frauen Anfang Dezember abnehmen. Eine verstärkte Abnahme wird zugleich während der ganzen Adventszeit beobachtet, wobei die Rate nach Neujahr auf das ursprüngliche Niveau einschwenkt.
«Aufgeschoben ist aufgehoben»
Insgesamt kommt es am Ende der Adventszeit zu einer maximalen Reduktion der Selbstmorde von 30 bis 40 Prozent, wie die Autoren weiter mitteilen. Für die ganze Dauer des Advents macht dies etwa zwölf Prozent der Selbstmorde aus. Hierbei wird bei den Männern ein Fünftel davon durch einen Rückschlagseffekt nach Neujahr wieder kompensiert. Wer im Dezember allerdings eine suizidale Krise durchsteht, holt laut den Ergebnissen den Selbstmord nur in wenigen Fällen gleich im Januar oder Februar nach. Wie viele es übers ganze Jahr hinweg sind, ist nicht klar. Allerdings sinke die Wahrscheinlichkeit, je grösser der Abstand von der überstandenen Krise sei. «Offensichtlich ist aufgeschoben in sehr vielen Fällen tatsächlich auch aufgehoben», folgert Suizidforscher Vladeta Ajdacic-Gross in der Zeitschrift «Psychiatry Research».
Voller Terminkalender ist gut für die Seele
Ajdacic-Gross und seine Kollegen sehen sich insgesamt darin bestätigt, dass das Selbstmordgeschehen in der Adventszeit und erst recht an Weihnachten von bestimmten sozialen Mechanismen bestimmt wird. Dazu gehören allem voran die Familien- und Firmenanlässe. Der vollere Terminkalender gibt aber auch Verpflichtungen vor, die bekanntlich als stille und effektive Massnahmen in der psychiatrischen Praxis und der Telefonseelsorge gezielt eingesetzt werden. Kein Präventionsprogramm ist auch nur annähernd so erfolgreich wie das «natürliche Experiment Adventszeit». Die Aktivierung sozialer Netzwerke biete offensichtlich grosse Möglichkeiten.
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