Lichter gelöscht

09. Dezember 2007, 09:06

Unter dem Motto «Licht aus! Für unser Klima» wurden gestern um 20 Uhr in der Schweiz, Deutschland und Österreich mancherorts die Lichter gelöscht. Das Stromnetz hielt dicht.

Das Zürcher Grossmünster vor und nach dem Lichterlöschen.
Keystone Das Zürcher Grossmünster vor und nach dem Lichterlöschen.

Die Aktion fand zur Halbzeit der Weltklimakonferenz auf der Insel Bali statt, wo bis zum 14. Dezember über ein Nachfolgeabkommen des 2012 auslaufenden Klimaschutzprotokolls von Kyoto verhandelt wird. An der Aktion beteiligten sich neben Haushalten zahlreiche Städte, darunter Zürich, Bern, Winterthur, Thun, Zug und Chur. Auch grosse Unternehmen wie Migros, Coop, Axpo oder Kuoni machten mit. Initiiert hatten die Aktion Umweltorganisationen und die deutsche Boulevardzeitung «Bild». In der Schweiz wurde sie von «Blick» und «SonntagsBlick», Greenpeace, WWF, Pro Natura, Google und Pro 7 unterstützt. Auch Umweltminister Moritz Leuenberger sowie zahlreiche weitere Politiker und Prominente unterstützten die Aktion.

Es handle sich nicht um eine Stromsparaktion, sondern um ein Zeichen, dass es höchste Zeit sei für griffige Massnahmen gegen den Klimawandel, erklärten WWF Schweiz, Greenpeace Schweiz und Pro Natura. Sie verstehen die Aktion auch als Appell an die Weltklimakonferenz.

Initianten zufrieden

Die Initianten zeigten sich zufrieden. Das Interesse sei «überwältigend» gewesen, sagte Christian Dorer, stellvertretender Chefredaktor des «SonntagsBlick», auf Anfrage.

So habe etwa eine Gemeinde aus dem Unterengadin ihre Beteiligung zugesagt, und am Ende habe das ganze Unterengadin mitgemacht. In den Schweizer Städten hätten sich die Menschen am Abend versammelt, um der symbolträchtigen Aktion beizuwohnen.

Probleme beim Ausschalten der Zürcher Weihnachtsbeleuchtung

In Bern gingen auf dem Bundesplatz die Lichter aus, nur die Fassade des Bundeshauses blieb erleuchtet. Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich zog bei rund 80 Beleuchtungen von Gebäuden, Denkmälern, Brücken und Brunnen den Stecker raus. Im Dunkeln waren unter anderem das Grossmünster, das Fraumünster, die Universität, das Polytechnikum und die Portale des Hauptbahnhofs. Nicht ganz geklappt habe das Ausschalten der Zürcher Weihnachtsbeleuchtung, sagte Dorer. EWZ-Direktor Conrad Ammann begrüsste die Aktion: «Was hier zählt, ist der Symbolwert.» Strom und Geld kann man auf diese Weise nicht gross sparen.

Nicht überall beteiligten sich die Behörden an der Aktion, die ohnehin die für die Sicherheit nötigen Beleuchtungen nicht erfasste. So machte das Bundesamt für Bauten und Logistik im Falle der Beleuchtung des Bundeshauses nach einer Intervention der Parlamentsdienste einen Rückzieher. Auch die Beteiligung der privaten Haushalte schien sich in Grenzen zu halten, wie der Blick aus dem Fenster zeigte.

Keine Probleme mit dem Stromnetz

Um 20.05 Uhr wurde das Licht überall wieder eingeschaltet. Dies führte nach ersten Erkenntnissen in keinem der Länder zu Problemen mit dem Stromnetz. In der Schweiz konnten die Schwankungen problemlos ausgeglichen werden, wie Monika Walser, Sprecherin der Netzbetreibergesellschaft Swissgrid, auf Anfrage sagte.

Der Sprecher des Stromkonzerns Axpo, Hansjörg Schnetzer, sprach von «Schwankungen im Bereich des Üblichen». Das Licht mache nur 10 Prozent der 2000 Megawatt Strom aus, die an einem Samstagabend zu dieser Uhrzeit benötigt würden. Hätten sich 10 Prozent der Bevölkerung an der Aktion beteiligt, wären also Schwankungen im Bereich von nur einem Prozent entstanden.

Schwarze Google-Seite

In Deutschland und Österreich wurde das Licht an berühmten Bauten wie dem Brandenburger Tor in Berlin, dem Kölner Dom oder dem Schloss Mirabell in Salzburg ausgeschaltet. Prominente wie die Schauspielerinnen Veronica Ferres und Maria Furtwängler, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Fussball-Legende Franz Beckenbauer gaben in der «Bild»-Zeitung an, die Aktion ebenfalls zu unterstützen und damit ein Zeichen für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserem Klima setzen zu wollen. Die Seite der Internet-Suchmaschine Google blieb in der Deutschland-Version den ganzen Tag schwarz.

Tausende an Demonstrationen

Anlässlich des Klimatages gab es am Samstag in vielen europäischen Städten Demonstrationen. In Deutschland gingen rund 10’000 Menschen für den Klimaschutz auf die Strasse, allein in Berlin waren es rund 5000.

In London zogen rund 7000 Menschen vor die US-Botschaft. Einige von ihnen trugen Poster, auf denen US-Präsident George W. Bush zu sehen war und der Schriftzug «Gesucht wegen Verbrechen gegen den Planeten». In Stockholm zählte die Polizei rund 1000 Demonstranten.

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