Fallen bald die Roma ein?

30. Januar 2008, 20:56 – Von Roland Schlumpf

Die Personenfreizügigkeit für Rumänien und Bulgarien bringt keinen Zustrom von Roma in die Schweiz. Dies sagt ein Experte mit Verweis auf bisherige Erfahrungen.

Derzeit halten sich in der Schweiz zwischen 30’000 und 50’000 Roma auf. Viele stammen aus dem Kosovo. Dort waren sie während des Kriegs zwischen die Fronten geraten und vertrieben worden. Einem Teil gewährt die Schweiz Asyl. Einige fallen durch kriminelle Handlungen auf. Unvergessen ist der Fall einer kosovarischen Roma-Familie in Rüschlikon, deren Sohn einen Mann niederstach. Andere Roma machen sich als Bettler unbeliebt, viele sind in Banden organisiert. Gegner der Personenfreizügigkeit schüren nun die Angst, nach einer Erweiterung des Abkommens auf Rumänien und Bulgarien würde die Schweiz von Millionen von Roma überschwemmt.

Keine «Zigeuner»

Eine grosse Wanderbewegung von rumänischen und bulgarischen Roma in die Schweiz ist allerdings kaum zu erwarten. Stéphane Laederich, Leiter der Roma Foundation weist auf den Umstand hin, dass Bürger der beiden Staaten schon seit einiger Zeit für die Schweiz kein Visum mehr brauchen, ohne dass dies zu markant mehr Einreisen geführt hätte. Nur im letzten Mai stellten die Behörden eine ungewöhnliche Zunahme fest. Damals hatten plötzlich hunderte rumänische Roma Asyl beantragt, um Rückkehrhilfe zu kassieren. Darauf entschied der Bund, Personen aus EU-Staaten diese an die Rückreise gekoppelte «Prämie» zu streichen.

In beiden Ländern gehören die Roma zu den grössten Minderheiten – in Rumänien sind es 2,5 bis 3 Millionen, in Bulgarien rund eine Million. Viele von ihnen sind arm, aber sesshaft wie Schweizer oder andere Westeuropäer. Ohne grosse Not würden sie ihr Zuhause nicht verlassen. «Insgesamt sind weniger als 0,1 Prozent der Roma Fahrende», weiss Stéphane Laederich.

Unterschiedlich integriert

Bulgarien bemüht sich um die Integration der Roma. Sie sind im Polizeikorps vertreten und haben auch schon Minister gestellt. Zwischen 10 und 15 Prozent haben einen Hochschulabschluss, schätzt Laederich. Weniger vorteilhaft ist die Situation der Roma in Rumänien. Sie waren über Jahrhunderte Sklaven der Adeligen und der Kirche. Dabei verloren sie ihre Sprache und Kultur. Sie sind heute noch diskriminiert.

Die Roma stammen ursprünglich aus dem Nordwesten Indiens. Von dort machten sie sich wahrscheinlich um das Jahr 1000 auf ihre Wanderung Richtung Westen, nach Persien, in die Türkei, nach Griechenland, auf den Balkan. Von dort aus erreichten sie zu Beginn des 15. Jahrhunderts Westeuropa. Je nach Schätzung zählt ihre Volksgruppe heute zwischen 8 und 12 Millionen Angehörige. Genauere Angaben sind schwierig, weil viele Behörden Ethnien wie die Roma statistisch nicht erheben. Im zweiten Weltkrieg litten die Roma ebenso wie die Juden unter der Verfolgung des Naziregimes und wurden zu hunderttausenden umgebracht.

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