Aids-Kommission verteidigt sich

02. Februar 2008, 16:16

Der Präsident der Eidgenössischen Kommission für Aidsfragen, Pietro Vernazza, verteidigt den Entscheid der Schweiz, differenziert über die Gefahr von HIV-Ansteckungen zu informieren.

Die Schweizer Informationspolitik werde auch weiterhin für Aufsehen sorgen, etwa an einem Kongress kommende Woche in Boston und an der Welt-Aids-Konferenz im Sommer, sagte Vernazza in der «Samstags-Rundschau» von Schweizer Radio DRS.

Man habe Angst, vom aktuellen Weg abzuweichen. Vernazza zeigte sich jedoch überzeugt, dass zumindest die europäischen Länder in ein bis zwei Jahren dem Beispiel der Schweiz folgen werden.

«Manchmal muss jemand anfangen, dass etwas in Bewegung kommt», sagte der Aids-Experte. Bei einer unehrlichen Information stehe die Glaubwürdigkeit auf dem Spiel, und dies gefährde die Prävention.

Nur bei konsequenter Therapie

Die Ärzteverbindung FMH hatte am Mittwoch unter Berufung auf die Einschätzung der Aids-Kommission bekannt gegeben, Sex ohne Kondom sei für konsequent antiretroviral therapierte HIV-Infizierte unter bestimmten Bedingungen möglich. Unter anderem dürfen im Blut der infizierten Person während mindestens 6 Monaten keine Viren mehr nachgewiesen worden sein.

Aus Sicht der EU-Kommission besteht die Gefahr, dass diese Information von der Förderung der «Safe Sex»-Regeln ablenken könnte. Die Weltgesundheitsorganisation WHO zeigte sich ebenfalls sekptisch. Sie werde ihre eigenen Empfehlungen nicht ändern, hielt sie fest. Es gebe keine 100-prozentige Sicherheit.

Der nationale Aidsrat Frankreichs distanzierte sich gar von der Einschätzung der schweizerischen Kommission: Die Daten, auf die sich letztere stütze, seien zu wenig gesichert. Kritisch äusserte sich auch der Geschäftsführer der Zürcher Aids-Hilfe, Reto Jeger.

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