Schweiz

Die Risse im AKW Mühleberg wachsen

26. Februar 2008, 19:42 – Von Felix Maise

Der AKW-kritische Verein Fokus Anti-Atom fordert aus Sicherheitsgründen die Schliessung des 40-jährigen Reaktors Mühleberg bei Bern. Die Atomaufsicht beruhigt.

Für die Zeit nach 2012 braucht es eine Neubewertung: Das AKW Mühleberg.
Keystone Für die Zeit nach 2012 braucht es eine Neubewertung: Das AKW Mühleberg.

Von einem «bedrohlichen Wachstum der Mühleberg-Risse» spricht Jürg Aerni, und von einem «gefährlichen Spiel der Behörden». Die bereits seit 1990 bekannten Risse im Innersten des Mühleberg-Reaktors, dem Kernmantel, hätten ein kritisches Mass erreicht. In den letzten fünf Jahren seien sie um mehr als einen Meter gewachsen. Die am stärksten beschädigte Rundnaht sei heute zu 25 Prozent gerissen. Und das sei deshalb gefährlich, weil der Kernmantel für die Kernkühlung im Normalbetrieb und in Notfällen unabdingbar sei. Wäre ein Kernmanteltausch nicht sehr aufwändig und teuer, wäre er von der AKW-Betreiberin, den Bernischen Kraftwerken (BKW), schon längst durchgeführt worden, sagt Aerni. «Aber die Atombehörden schreiten nicht ein. Mühleberg wird weiter am Limit betrieben».

Erst ab 2012 problematisch

Erschreckt hat ihn und seine Anti-Mühleberg-Mitkämpfer das Ergebnis des im letzten Dezember von der Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK) vorgelegten über 500-seitigen Berichts zur «Periodischen Sicherheitsüberprüfung» von Mühleberg. Darin kommt auch die HSK zum Schluss, dass die Kernmantelrisse ein ernstes Problem seien, allerdings erst ab 2012. Bis dann ist nämlich die Betriebsbewilligung Mühlebergs befristet. Die BKW fordern für die Zeit danach eine unbefristete Bewilligung. Sie berufen sich dabei auf das AKW Beznau, wo der Nordostschweizerischen Kraftwerk AG 2004 für einen ihrer zwei ursprünglich ebenfalls nur befristet bewilligten Alt-Reaktoren dieser Wunsch erfüllt wurde.

«Für den aktuellen Betrieb erfüllt der rissbehaftete Kernmantel die ihm zugedachte sicherheitstechnische Aufgabe», liess sich die HSK im Dezember verlauten. «Dennoch ist absehbar, dass für einen Langzeitbetrieb über 40 Jahre hinaus die bruchmechanischen Zulässigkeitskriterien nicht mehr erfüllt sein werden», so der offizielle Befund der Bundes-Atomaufsicht.

Jetzt schon «lebensgefährlich»

Für Aerni ist diese Haltung unverständlich. Alle bisherigen Prognosen der HSK zum Wachstum der Kernmantelrisse seien zu optimistisch gewesen. In einem gestern publizierten Brief an Energieminister Moritz Leuenberger bezeichnen die Mühleberg-Kritiker die Risse als jetzt schon «lebensgefährlich» und fordern den SP-Bundesrat auf, umgehend die notwendigen Schritte zur Abschaltung Mühlebergs einzuleiten.

Für HSK-Sprecher Anton Treier geht diese Forderung zu weit. «Über die Jahre sind die Risse in etwa so gewachsen, wie wir erwartet haben», sagt er. «Und wir beobachten die Entwicklung laufend.» Tatsächlich sei in einigen ausländischen Atomkraftwerken gleichen Typs der Kernmantel ganz ausgetauscht worden. Doch sei dieser im Ausland etwas anders konstruiert und deshalb einfacher ersetzbar. «Solange wir die Sicherheit für gegeben halten, ist eine Reparatur oder ein Ersatz nicht nötig», so Treier. Für die Zeit nach 2012 brauche es aber «eine Neubewertung».

«Aussertechnische Rahmenbedingungen» würden eine kritische Würdigung des Mühleberg-Atomrisikos trüben, meint Aerni dazu: «Die HSK kommt dem ökonomischen Druck der BKW zu sehr entgegen.»

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