KOMMENTAR

Egoistische Impfkritiker

26. Februar 2008, 23:13 – Von Liliane Minor

Die Masern-Epidemie, die seit 16 Monaten in der Schweiz wütet, zeigt mit aller Deutlichkeit, wie wenig die Argumente der Impfkritiker wert sind, ja wie egoistisch sie handeln. Um die 1400 Leute sind erkrankt, mehr als 80 Prozent davon waren Kinder. Gegen 200 Fälle waren so schwer, dass die Patienten sich in Spitalpflege begeben mussten.

Lange haben die Impfkritiker von jenen profitiert, die ihre Kinder geimpft haben: Sie behaupteten, die Chance, Masern zu bekommen, sei verschwindend klein. Das klingt in einer Gesellschaft, in der die Impfrate hoch ist, logisch. Jetzt ernten die Kritiker die Früchte dieser Haltung: Die Epidemie wütet genau dort, wo besonders wenig geimpft wird.

Das Hauptargument der Kritiker ist aber ein anderes: die Furcht vor den angeblichen Komplikationen einer Impfung. Die jetzige Epidemie zeigt indes, dass die Angst vor der Krankheit grösser sein sollte. Die Masern sind zwar eine Kinderkrankheit, aber nicht harmlos.

Bei mehr als einer Million Impfungen in den letzten zehn Jahren wurden ganze 77 Fälle von vermuteten – nicht erwiesenen! – Nebenwirkungen gemeldet. Dem steht eine Epidemie gegenüber, die in nur 16 Monaten nahezu 200 Spitaleinweisungen verursachte.

Wer sein Kind nicht impfen lässt, gefährdet nicht nur das Kind, sondern auch andere. Menschen zum Beispiel, bei denen die Impfung nicht gewirkt hat. Gerade bei Senioren und Schwangeren kann eine Masernerkrankung verheerende Auswirkungen haben.

Purer Egoismus ist schliesslich die Behauptung, Masern seien für die geistige und körperliche Entwicklung eines Kindes wichtig. Es gibt dafür keinen einzigen Beweis. Im Gegenteil, der vermeintliche Vorteil wird teuer erkauft, mit der Gefahr von schweren Komplikationen, Behinderungen oder gar dem Tod.

All dies sollten Eltern bedenken, die sich fragen: Impfen ja oder nein? Und sie sollten sich bewusst sein, dass es eine wirksame Methode gibt, in Zukunft auf Impfungen verzichten zu können: Wenn nämlich die Impfrate so hoch ist, dass die Krankheit ausgerottet wird. Damit wäre viel gewonnen.

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