Misswirtschaft bei SBB Cargo zieht neue Verluste nach sich
03. März 2008, 22:56 Von Bettina MutterJetzt wollen Politiker wissen, wie schlimm die Situation bei SBB Cargo ist. Auch 2007 dürfte der Verlust höher sein als bisher angenommen. Doch Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel schweigt.
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Am Donnerstag diskutiert der SBB-Verwaltungsrat über sein grösstes Sorgenkind, die SBB Cargo. Obschon Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel schon 2005 schwarze Zahlen versprochen hatte, wird die Güterverkehrs-Tochter auch 2007 tiefrote Zahlen schreiben. Dem TA vorliegende Informationen weisen darauf hin, dass der Verlust nicht in zweistelliger, sondern in dreistelliger Millionenhöhe liegen wird. Die SBB-Spitze will noch im März informieren; am 2. April findet die Bilanzmedienkonferenz am Cargo-Hauptsitz in Basel statt.
Seit Tagen sickern Verlustzahlen und Schätzungen des nötigen Stellenabbaus durch. Private Transporteure fordern nun die Teilprivatisierung. Heute demonstrierten in Bellinzona mehrere Hundert Personen gegen den drohenden Stellenabbau im örtlichen SBB-Werk. Ein Teil der Belegschaft reist heute nach Bern, um dort der SBB-Spitze eine Resolution zu überreichen. In Bellinzona wird ein Abbau von über 200 Stellen befürchtet, wie viele es in Biel sein könnten, ist noch ungewiss. Insider orten zudem in der Basler Cargo-Zentrale zu viele Verwaltungsstellen, sodass möglicherweise bis zu 400 der heute 4400 Stellen bei SBB Cargo eingespart werden müssen. Entlassungen schliesst der Contrat social bei den SBB aus.
Verkehrspolitiker und selbst Mitglieder der mit weit reichenden Kompetenzen ausgestatteten Finanzdelegation fordern von der SBB-Spitze rasche Klärung. Bisher liegen der Verwaltung, dem Bundesrat und dem Parlament keine Informationen vor, wie es wirklich um SBB Cargo steht. «Die Ursachen und die Auswirkungen der Situation müssen uns intensiv beschäftigen», sagen die Finanzdelegationsmitglieder Urs Schwaller und Werner Marti. Obschon die Ursachen weit zurückreichen, will aber der Architekt und jahrelange operative Verantwortliche nicht mehr über SBB Cargo reden. «Das Thema Bahn ist für mich abgeschlossen. Ich äussere mich dazu nicht mehr», antwortet Ex-SBB-CEO Benedikt Weibel auf Anfrage.
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