Kommentar
Es fehlen die Fachleute
03. März 2008, 22:54 Von Roland Schlumpf
Die SBB Cargo verliert weiterhin sehr viel Geld. Das Unternehmen kommt mit dem freien Güterverkehr nicht klar. Die immer wieder versprochenen schwarzen Zahlen sind von der Perspektive zur Illusion verkommen. Das hat wenig mit der Problematik der Verlagerungspolitik, sondern vor allem mit Managementfehlern im Unternehmen zu tun. Der Verwaltungsrat kommt nicht um massive Spar- und Restrukturierungsprogramme herum.
Was der Güterverkehrstochter der SBB bevorsteht, hat bereits personelle Konsequenzen gezeitigt: Daniel Nordmann, Geschäftsführer von SBB Cargo, musste das Unternehmen im letzten Sommer, nur wenige Monate nach Benedikt Weibel, verlassen. Thierry Lalive dEpinay, Verwaltungsratspräsident der SBB und somit auch von SBB Cargo, hat seinen Rücktritt auf Ende des Jahres angekündigt. Angesichts des nachhaltigen Malaises bei SBB Cargo ist zu hoffen, dass dieser Abgang nicht freiwillig erfolgt.
Benedikt Weibel, ehemaliger SBB-CEO, ist seit 14 Monaten in Pension und seither als Euro-08-Delegierter des Bundesrats auf Tour. Er hätte in den letzten Jahren seines Wirkens erkennen müssen, wofür sein Nachfolger Andreas Meyer nur wenige Monate gebraucht hat: Bei SBB Cargo herrscht Misswirtschaft. Stattdessen redete Weibel die Situation Jahr für Jahr schön.
Teilnahmslos gegenüber dem Debakel verhielten sich aber auch Verwaltung und Politik. Die SBB sind, Aktiengesellschaft hin oder her, ein Betrieb des Bundes. Deshalb müssen die Politiker und der Bundesrat nun dringendst die strategische Führung, also die personelle Besetzung des Verwaltungsrats, auf die Ansprüche des Marktes ausrichten. Es rächt sich bei SBB Cargo, dass im SBB-Verwaltungsrat bis heute keine Transportfachleute sitzen. Sie müssten nicht zuletzt für eine kompetente Geschäftsleitung sorgen.
Kompetenz auf allen Ebenen ist unverzichtbar für den Erfolg, denn Gütertransport ist ein hartes Geschäft. Die Konkurrenz von Strasse und Schiene ist enorm. Dennoch ist es nicht akzeptabel, dass sich SBB Cargo trotz den üppigen Beiträgen des Bundes für Infrastruktur und Betrieb nicht behaupten kann.
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