Für SBB-Stellen kämpfen und lieber Auto fahren
21. März 2008, 17:26 Von René LenzinDie Verbundenheit der Tessiner mit der Bahn bezieht sich vor allem auf die Arbeitsplätze. Als Verkehrsteilnehmer setzen sie dagegen lieber auf das Auto als auf den Zug.
«Die SBB und das Werk in Bellinzona gehören zum genetischen Erbgut des Tessins.» So erklärte FDP-Ständerat Dick Marty in der «SonntagsZeitung» den Aufstand eines ganzen Kantons gegen den geplanten Stellenabbau in den SBB-Werkstätten.
Noch nicht wirklich in die Gene der Tessiner eingedrungen ist allerdings, dass man Züge nicht nur reparieren, sondern auch benutzen kann. In keiner andern Region der Schweiz wird so viel mit dem Auto und so wenig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren wie im Tessin. Nun könnte man in einem ersten Reflex meinen, das sei quasi eine natürliche Folge der Topografie. Doch dem ist nicht so: Sogar im Vergleich mit nur ländlichen Regionen fahren die Tessiner mehr Auto und weniger Zug oder Bus.
Mit 602 Personenwagen auf 1000 Einwohner lag das Tessin 2006 einsam an der Spitze der PW-Statistik – deutlich über dem nationalen Schnitt von 516. Auch hier kann die Topografie nicht als Erklärung dienen, weisen doch Bergkantone wie Uri (467) oder Graubünden (492) klar tiefere Werte aus.
Schliesslich zeigt der Mikrozensus zum Verkehrsverhalten 2005, dass in keiner andern Sprachregion so wenig Abonnemente für den öffentlichen Verkehr verkauft werden wie in der italienischen Schweiz. Bloss 25 Prozent der Tessiner besitzen ein Abo, während es bei den Welschen 36, bei den Rätoromanen 44 und bei den Deutschschweizern 53 Prozent sind. Nur gerade neun Prozent der Tessiner haben ein Halbtax-Abo, dreimal weniger als im nationalen Schnitt.
Ein weiteres Indiz für die Vorliebe zum motorisierten Individualverkehr ist die Tatsache, dass es im Tessin noch keine Pendlerzeitung gibt. An Pendlern fehlt es nicht, vor allem in der Region Lugano. Aber sie benutzen in der Regel das Auto, wie die Analyse des Verkehrsaufkommens in den Agglomerationen zeigt.
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