Wer das Euro-Bier nicht will, trinkt hinter dem Zaun
09. April 2008, 20:37 Von Thomas KnellwolfDrei Basler Restaurants an bester Lage wollen während der EM nicht die Getränke der Uefa-Sponsoren ausschenken. Deshalb werden sie eingezäunt.
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- Die Uefa ist doch nicht Herrin über alle Grossleinwände
Wer in Basel am Rhein, aber nicht auf dem Trockenen sitzen will, hat während der Fussball-Europameisterschaft keine Wahl: Er muss mit Carlsberg-Bier oder mit alkoholfreien Getränken des Coca-Cola-Konzerns Vorlieb nehmen. Der Zwang zu Speis und Trank der Sponsoren des Europäischen Fussballverbands erstreckt sich auf alle offiziellen Veranstaltungen in den acht Austragungsorten in der Schweiz und in Österreich. Die kulinarischen Vorgaben der Uefa gelten nicht nur in den Stadien, sondern auch in den offiziellen «Fanzonen» mit Grossleinwänden auf öffentlichem Grund. In Basel umfasst diese Zone mit Eintrittskontrollen die an Sommertagen populärsten Teile der Altstadt samt Rheinufer. Doch im Schweizer Euro-08-Hauptort wollen sich drei traditionsreiche Gaststätten mitten in der Fanzone dem Diktat partout nicht beugen.
Der Zaun wird täglich aufgebaut
Vieles wurde versucht, um auch die Kleinbasler Wirte ins Uefa-Korsett zu zwängen: Zuerst wurde ihnen gedroht, sie müssten ihren ganzen Aussenbereich während den drei Turnierwochen schliessen. Dies war aber rechtlich nicht möglich, zumal die Restaurants den öffentlichen Grund das ganze Jahr über nutzen. Dann versuchte der Euro-Delegierte der Stadt, den Widerständigen eine andere Lösung schmackhaft zu machen: Die Wirte hätten vor ihren Lokalen in Zelten die offiziellen Euro-Getränke feilbieten dürfen. Allerdings hätten sie dafür Gebühren von bis zu 2000 Franken pro Spieltag bezahlen müssen; an Tagen mit Spitzenpartien gar das Doppelte. Auf diesen Handel gingen die Wirte nicht ein.
Die Folge: Wer seinen Durst mit einem lokalen Ueli-Bier, einem spanischen San Miguel oder einen Baselbieter Ziegelhof stillen will, muss dies hinter einem undurchsichtigen Zaun tun. Im Juni errichten die Euro-Organisatoren täglich am Mittag eine mehr als zwei Meter hohe Absperrung um den Aussenbereich der drei aneinander grenzenden Lokale. Nach Mitternacht, wenn die Fanzone schliesst, wird die mit Bast und Pflanzen verzierte Sperre jeweils wieder abgebaut. Auf den herrlichen Blick aufs Wasser müssen die Gäste der Restaurants Krafft, Hecht und Zum Schmalen Wurf vorübergehend verzichten, auf Spielübertragungen nicht. Im eingezäunten Areal werden Bildschirme aufgestellt. Ein Testsitzen zeigte gestern, dass sich sogar knapp ein Blick auf die offiziellen Grossbildschirme erhaschen lässt.
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