Halbbruder darf weiterleben
15. April 2008, 10:50Im Gegensatz zum Risikobären JJ3 geht es seinem Halbbruder MJ4 nicht an den Kragen. Er lebt unbehelligt im Engadin und im Münstertal hat seine Scheu vor Menschen bewahrt.
MJ4 ist der Halbbruder von JJ3. Ihr gemeinsamer Vater heisst Joze, der mit Jurka auch die Problembären Lumpaz und Bruno zeugte. Das Verhalten des Engadiner Bären ist im Gegensatz zu jenem von JJ3 normal.
Lumpaz war der erste Braunbär, der 2005 nach rund 100 bärenlosen Jahren in Graubünden einwanderte. Seine Spur verlor sich im Herbst desselben Jahres im Unterengadin. Seitdem gilt er als verschollen. Bruno wurde Ende Juni 2006 in Bayern erschossen, weil er wie JJ3 keine Scheu vor Menschen zeigte.
Der Braunbär im Engadin, MJ4, hat zwar einige Schafe gerissen und sich auch an Bienenständen zu schaffen gemacht. Menschen meidet er aber. Entsprechend selten wird er gesehen.
In Graubünden war letztmals im September 1904 im Val S-charl bei Scuol im Unterengadin ein Braunbär erlegt worden. Das ausgestopfte Präparat des Weibchens kann im Bärenmuseum im Val S-charl besichtigt werden.%perl>
Familie von JJ3 sorgte immer wieder für Aufruhr
JJ3 ist nicht der einzige aus seiner Familie, der immer wieder für Aufruhr sorgte. Auch seine Mutter Jurka sowie seine Brüder Bruno und Lumpaz hielten die Wildhüter auf Trab. JJ3 wurde 2006 geboren. Seine Eltern sind Jurka und Joze, zwei aus Slowenien stammende Bären, die für das Wiederansiedlungsprojekt «Life ursus» nach Italien gebracht wurden. Aus einem früheren Wurf der beiden stammten JJ1 alias Bruno und der Lumpaz genannte JJ2. Jurka suchte immmer wieder Dörfer auf und lehrte somit auch ihren Jungen keinen Respekt vor Menschen. Ende Juni wurde sie von den italienischen Behörden eingefangen und in ein Freilaufgehege gesperrt.
Bruno war im Mai 2006 aus dem Tirol und dem italienischen Trentino nach Deutschland eingewandert. Innerhalb weniger Wochen drang er mehrere Male in Siedlungen ein und riss über 30 Schafe. Nachdem ein finnisches Expertenteam zwei Wochen lang JJ1 vergeblich gejagt hatten, wurde er am 26. Juni 2006 erschossen. Seit kurzem steht er ausgestopft in einem Münchner Museum.
Wo ist Lumpaz?
Wo sich sein Bruder Lumpaz aufhält, ist derzeit unklar. Im Sommer 2005 war er ins Bündnerland gekommen. Auf seinen Streifzügen durch das Münstertal und das Unterengadin riss er mehrere Dutzend Schafe und ein Kalb. Seit September 2005 wurde JJ2 nicht mehr gesehen. Gerüchten aus Südtirol zufolge wurde er gewildert.
Nach dem Verschwinden von JJ2 gab es über anderthalb Jahre lang keine Meldungen über Bären in der Schweiz. JJ3 fiel Ende Mai 2007 erstmals auf, weil er in der Gegend von Trafoi/Sulden südlich des Stelvio-Passes wiederholt Schafe riss. Im Juni kam er in die Schweiz, wo er zwei Monate später mit einem Sender ausgestattet wurde, um ihn besser beobachten zu können. Weil er sich weiterhin nicht von Siedlungen und Tierherden fern hielt, versuchten ihn die Wildhüter mehrmals zu vergrämen - erfolglos. Deshalb wurde er am 14. April erlegt.
Ein Halbbruder von JJ3, Lumpaz und Bruno hält sich ebenfalls im Bündnerland - im Bereich des Nationalparks bei Zernez - auf, ist aber bisher viel unauffälliger. Deshalb wurde er auch noch nicht mit einem Sender ausgestattet. Das MJ4 genannte Tier hat mit Joze den selben Vater, seine Mutter ist aber nicht Jurka, sondern Maja. (AP)
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