Economiesuisse: Schlechte Studenten sollen höhere Gebühren zahlen
23. April 2008, 21:21 Von Philipp MäderJe besser die Noten sind, desto weniger Studiengebühren soll ein Studierender zahlen. Das fordert die Wirtschaft. Und will gleichzeitig den Zugang zum Masterstudium erschweren.
Das hören nur Streber gerne: Wer an den Prüfungen Bestnoten holt, soll gratis studieren dürfen. Dafür müssen die faulen und dummen Studierenden auf der Masterstufe bis zu 10 000 Franken pro Jahr für ihr Studium hinblättern. Das forderte der Wirtschaftsverband Economiesuisse gestern vor den Medien.
Geht es nach der Wirschaft, so trifft es die weniger guten Studierenden gar noch härter. Sie sollen keinen Master mehr anstreben dürfen, sondern nach drei Jahren mit einem Bachelor in der Tasche die Uni verlassen und sich in einem Unternehmen nützlich machen. Denn die Universitäten sollen künftig aussuchen können, welche Studierenden sie zum Masterstudium zulassen. Heute hingegen kann an den Universitäten jeder ein zweijähriges Masterstudium absolvieren, der an einer Schweizer Uni den Bachelor gemacht hat.
Dass die Wirtschaft gerade jetzt mit diesen Forderungen kommt, erstaunt nicht. In ein paar Wochen will der Bundesrat sagen, wie es mit dem neuen Gesetz über die Hochschulen weitergeht. Dieses soll die Bildungslandschaft in der Schweiz völlig neu modellieren. Doch der Entwurf erntete viel Kritik von allen Seiten.
Rudolf Minsch, Chefökonom der Economiesuisse, begründet die Vorschläge damit, dass das Bildungswesen effizienter werden müsse: «Wir wollen weniger Masterstudierende, aber eine bessere Motivation beim Bachelorstudium.» Dabei seien höhere Studiengebühren ein Leistungsanreiz. Zudem brauche es markant mehr Geld für Bildung und Forschung.
Die Universitäten hingegen halten nichts von leistungsabhängigen Studiengebühren. «Dieser Vorschlag ist absurd», sagt Hans Weder, Rektor der Universität Zürich und Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten. «Denn gute wie schlechte Studierende nehmen Leistungen in Anspruch, für die sie etwas bezahlen sollen.» Weder persönlich möchte vielmehr die Studiengebühren generell erhöhen: «5000 Franken pro Jahr dürften es ohne weiteres sein.» Allerdings müsse man dies in der ganzen Schweiz koordinieren – was bisher am Widerstand der Westschweiz scheiterte.
Den zweiten Vorschlag, dass die Universitäten ihre Studierenden auf Masterstufe auswählen können, begrüsst Weder jedoch: «Das haben die Universitäten schon selbst vorgeschlagen.» Denn schliesslich brauche es nicht für jede Tätigkeit in der Wirtschaft einen Master.
Studierende lehnen Vorschlag ab
Keinen Anklang finden die Ideen jedoch bei den Studierenden selber. «Diese Vorschläge sind unausgegoren und gefährlich», sagt Marco Haller, Co-Präsident des Verbands der Schweizer Studierendenschaften. «Sie gehen davon aus, dass Studierende das Arbeitsleben scheuen.» So dürfe man den Zugang zum Masterstudium nicht einschränken, weil dieser dem früheren Lizentiat entspreche. «Mit der Bolognareform ist das Studium bereits schneller geworden. Nun will man das Tempo nochmals verschärfen», sagt Haller.
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