Widmer-Schlumpfs Medienchef muss zurücktreten

01. Mai 2008, 11:05

Livio Zanolari tritt von der Spitze des Informationsdienstes im EJPD von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf ab. Neue Medienchefin wird Brigitte Hauser-Süess.

Wechsel in der Informationszentrale des EJPD: Zanolari geht, Hauser-Süess kommt.
Keystone Wechsel in der Informationszentrale des EJPD: Zanolari geht, Hauser-Süess kommt.

Widmer-Schlumpf und ihr Informationschef Zanolari hätten sich «im gegenseitigen Einvernehmen» getrennt, teilte das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) mit. Der 52-jährige Italienischbündner Zanolari aus dem Puschlav gebe die Leitung des Informationsdienstes «per sofort» ab.

Das Team stand noch nicht

Die EJPD-Mitteilung kommt überraschend: Widmer-Schlumpf hatte sich nach ihrem Amtsantritt im vergangenen Januar in kurzer Folge vom Generalsekretär Walter Eberle - einen Vertrauten Blochers - und dessen Stellvertreter Yves Bichsel - dem früheren SVP-Pressechef - getrennt und danach erklärt, dass ihr Team nun stehe. Deshalb wurde davon ausgegangen, dass die Bündner Bundesrätin ihren Informationschef behalten wird. Zanolari hatte zuvor während vier Jahren unter Christoph Blocher gedient.

Im EJPD wollte man über das kurze Communique hinaus die Gründe des Abgangs nicht kommentieren. Die Trennung erfolge tatsächlich im gegenseitigen Einvernehmen, hiess es. Zanolari selber verwies ebenfalls auf die Mitteilung und sagte, er werde wahrscheinlich weiterhin im Kommunikationsbereich tätig sein. Die Formulierung in der Mitteilung deutet darauf hin, dass seine Zukunftspläne noch offen sind. Das Departement wünschte ihm jedenfalls «alles Gute bei der beruflichen Neuausrichtung» und verdankte seine Dienste bestens.

Eine CVP-Frau für den CVP-Mann

Die neue EJPD-Informationschefin Hauser-Süess wurde im Frühjahr 2000 Pressesprecherin und 2001 Informationschefin des Bundesamtes für Flüchtlinge (BFF). Seit Anfang 2005 wirkte sie als Informations- und Kommunikationschefin des neu gebildeten Bundesamtes für Migration (BFM).

Einen Namen machte sich die heute 53-Jährige vor allem als Präsidentin der CVP-Frauen Schweiz. In den Neunzigerjahren war die Erwachsenenbildnerin Grossrätin, Fraktionspräsidentin und Parteipräsidentin der CVP Oberwallis.

Sechs Bundesratsmitgliedern gedient

Mit Widmer-Schlumpf diente Zanolari bereits dem sechsten Bundesratsmitglied. Seit 1997 arbeitete der frühere Bundeshauskorrespondent des Tessiner Fernsehens TSI in den Vorzimmern der Macht. Er wirkte als Sprecher und Informationschef für Flavio Cotti, Joseph Deiss, Micheline Calmy-Rey, Ruth Metzler, Christoph Blocher und nun für Eveline Widmer-Schlumpf.

Zanolari sass von 2000 bis 2006 als Mitglied der CVP im Bündner Grossen Rat. 2005 hatte sich Zanolari auch für die Nachfolge von Achille Casanova als Bundesratssprecher und Vizekanzler interessiert.

Kontroverse über TV-Dokfilm

Der Wechsel an der Spitze des Informationsdienstes fällt mit dem massiven Druck der SVP auf die Departementschefin zusammen. Widmer-Schlumpf hatte in den vergangenen Tagen und Wochen wiederholt eingeräumt, sie hätte in der Kontroverse über den TV-Dokfilm zu den Umständen ihrer Wahl in den Bundesrat aktiver kommunizieren müssen. Zur Frage, ob Meinungsverschiedenheiten über die Art der Kommunikation in der Auseinandersetzung mit der SVP für die Trennung von Zanolari eine Rolle spielten, wollte sich das EJPD auf Anfrage nicht äussern. Persönliche Differenzen soll es dem Vernehmen nach nicht gegeben haben.

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