Steuerfreie Riesengewinne mit Euro 08

02. Mai 2008, 21:39 – Von Thomas Knellwolf und Richard Diethelm

Sportverbände bezahlen in der Schweiz kaum Steuern. Nicht einmal die Uefa-Tochter, die mit der EM mehr als eine Milliarde an TV-Geldern einnimmt, wird zur Kasse gebeten.

Was haben der FC Hermandad de Nyon und der Club d'Ultimate de Nyon mit der die Union des Associations Européennes de Football gemeinsam? Richtig, alle sind Vereine mit Sitz im lieblichen Nyon am Genfersee. Und alle müssen aufgrund ihres Zwecks, der Förderung des Sports, keine Steuern bezahlen. Damit enden aber die Gemeinsamkeiten. Im Gegensatz zu den Hobby-Fussballern und den Frisbee-Liebhabern aus der Gegend ist die Uefa ein international agierendes Unternehmen mit 250 Angestellten am feudalen Hauptsitz. Jahr für Jahr nimmt der Fussballverband dank der Geldmaschine Champions League Hunderte von Millionen Franken ein. Noch dicker kommts, wenn alle vier Jahre eine EM-Endrunde stattfindet. Mit der Euro 08 in Österreich und der Schweiz macht der Verband über zwei Milliarden Franken Umsatz. Rund die Hälfte davon - gemäss Uefa-Berechnungen 1,1 Milliarden Franken - beträgt der Gewinn, der steuerfreie Gewinn.

Lukrative Töchter ohne Gewinn

Wie anderen internationale Sportorganisationen mit Sitz in der Schweiz wurde auch der Uefa vor Jahren die Gemeinnützigkeit amtlich bescheinigt. Somit muss die Organisation mit dem Motto «We care about football» nirgendwo im Land Gewinnsteuern zahlen.

Nicht so eindeutig präsentiert sich die Rechtslage für die beiden Töchter, über welche die Uefa die Endrunde im Juni organisiert: die Uefa Media Technologies SA und die Euro 2008 SA. Das Serviceunternehmen Media Technologies produziert TV-Programme zur EM, unterhält in Wien ein Medienzentrum und betreibt die Homepage www.euro2008.com.

Die Euro 2008 SA wurde eigens gegründet, um die Endrunde zu managen und wird bald nach dem Finalspiel liquidiert. Die Uefa-Töchter sind in der Schweiz nicht steuerbefreit und somit an und für sich steuerpflichtig. Beide sind aber so konstruiert, dass sie keinen Gewinn verbuchen. Somit müssen auch sie keine Gewinnsteuer bezahlen.

Mit direkt vermarkteten Medien- und Sponsoringrechten macht die Uefa einen Grossteil ihres Umsatzes. «Eine wirtschaftliche Tätigkeit, etwa die Vermarktung von TV-Übertragungsrechten, schliesst eine Steuerbefreiung grundsätzlich aus», sagte Hans-Jürg Neuhaus von der Eidgenössischen Steuerverwaltung vergangenes Jahr gegenüber der «SonntagsZeitung». Für die Uefa scheint dies nicht zuzutreffen. Speziell für die beiden Töchter hat der Fussballverband mit der Eidgenössischen Steuerverwaltung und den Waadtländer Steuerbehörden eine Vereinbarungen über Steuerberechnungen unterzeichnet. Der Chefjurist der Uefa, Dieter Kellenberger, bestätigt die Existenz dieser Abmachnungen, die bis dato nicht publik geworden sind. Kellenberger betont, solche Vereinbarungen seien bei grossen Organisationen, auch bei Unternehmen, durchaus üblich. Dies bestätigen sowohl die Eidgenössische als auch die Waadtländer Steuerbehörde. Über die Ausgestaltung des Steuerdeals mit der Uefa schweigen sich Bern und Lausanne jedoch aus - unter der Berufung auf das Steuergeheimnis. In Nyon hat die für die Finanzen zuständige Stadträtin Fabienne Freymond keine Kenntnis von einem solchen Deal.

Unternehmen bezahlten Zehnfaches

Wie immer die neuesten Abmachungen im Detail aussehen: Die Uefa muss in der Schweiz für das Turnier nur «einen tiefen zweistelligen Millionen-Betrag an Steuern und Abgaben» abliefern, wie Uefa-Chefjurist Kellenberger erklärt; darin seien hohe Mehrwertsteuer-Zahlungen «zu normalen Sätzen» enthalten, aber auch Abgaben an die Kantone und Kommunen für die Benützung der Infrastruktur, zum Beispiel Stadionmieten. Zum Vergleich: Bund, Städte und Kanton wenden rund 180 Millionen Franken an Steuergeldern für die Euro 08 auf. Würde die Uefa wie ein normales Grossunternehmen besteuert, müsste sie von ihrem Euro-08-Gewinn rund zwischen 200 und 300 Million Franken an die öffentliche Hand abgeben.

Die Uefa habe - so betont Chefjurist Kellenberger - in der Schweiz «freiwillig für die Zahlung von Mehrwertsteuern auf - sonst steuerbefreiten - Ticketeinkünften optiert», zu einem Satz von 2,5 Prozent. Auch zahlten die Euro-08-Angestellten Einkommens- und Quellensteuern in der Schweiz. Auf diesem Weg soll gemäss der Uefa nochmals etwa soviel Geld an Bund und Kantone fliessen, wie der Verband selber zahlt. Zudem entrichten die Spieler auf ihren EM-Prämien Quellensteuer. Diese Frage war lange strittig gewesen.

Von den 1,1 Milliarden Euro-08-Gewinn geht der Grossteil an die nationalen Uefa-Mitglieder. Auch der Hauptsitz in Nyon muss nicht darben: Ihm bleiben über 50 Millionen.

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