Heftige Krawalle rund um Fussballspiel
03. Mai 2008, 15:46Während des Spiels Basel FCZ bewarfen Zürcher Chaoten das Publikum mit brennenden Fackeln. Nach dem Schlusspfiff eskalierte die Situation. Augenzeugen kritisieren den Einsatz der Basler Polizei massiv.
Wie das Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt heute Morgen bekannt gab, wurden vor, während und nach dem Spiel zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich insgesamt 45 Personen verletzt, zumeist blieb es bei leichten Verletzungen. 16 von ihnen wurden Opfer von Gewalteinwirkungen. Drei Personen mussten ins Spital gebracht werden, darunter auch ein Polizist mit einer Schulterverletzung. Zwölf Personen wurden festgenommen.
Wie ein Polizeisprecher auf Anfrage sagte, konnten die ins Spital gebrachten Verletzten dieses später wieder verlassen. Auch die festgenommenen Personen seien wieder auf freien Fuss gesetzt worden. Je nach Sachlage hätten sie mit einem Verfahren zu rechnen.
Das Unheil begann im Basler St. Jakobpark bereits während des Spiels. Nachdem Valentin Stocker für den FC Basel das frühe 2:0 schoss, brannten im gut besetzten Sektor der FCZ-Fans bei einigen die Sicherungen durch. Erste Böllerschüsse hallten durch den St.-Jakob-Park, doch damit gaben sich einige Anhänger nicht zufrieden. Und selbst das Zünden von bengalischen Fackeln im Oberrang war ihnen nicht genug: Sie warfen die bis zu 2000 Grad heissen Feuerwerkskörper auf die unter ihnen sitzenden FCB-Fans - mitten in die Menschenmenge.
Fragen muss sich in diesem Fall auch die Stadionorganisation gefallen lassen. Gegnerische Fangruppen übereinander zu platzieren muss bei diesem Spiel wohl als grobfahrlässig eingestuft werden.
Schiedsrichter erwägte Spielabbruch
In der Folge füllt sich das Stadion mit Rauch, während Ordner versuchten, den Familiensektor zu räumen, um die Gefahr für Leib und Leben der Zuschauer zu minimieren, trotzdem gab es Verletzte. Immer wieder schleuderten FCZ-Fans Feuergeschosse in die Ränge und auf den Rasen, eines davon hätte beinahe den FCZ-Spieler Schönbächler getroffen.
Derweil betraten viele der ohnehin zahlreich für das Spiel aufgebotenen Polizisten in Kampfmontur das Stadion. Sie sahen aber wohl aus Sicherheitsgründen davon ab, den Gästesektor zu stürmen. Knapp 5 Minuten war die Partie unterbrochen, und Schiedsrichter Kever beriet sich mit dem vierten Offiziellen Wermelinger offenbar über einen allfälligen Spielabbruch.
Canepa: «Wir sind überfordert»
Im Lager des FC Zürich kam es niemandem in den Sinn, vor die Kurve zu stehen und zu versuchen, den Mob zu bändigen. Dafür stellte sich Präsident Ancillo Canepa noch in der Halbzeitpause dem Schweizer Fernsehen und sagte: «Wir sind entsetzt, das ist eine Schweinerei.» Der FCZ rechnet mit einer Busse seitens der Liga und wird möglicherweise versuchen, sie auf die Randalierer abzuwälzen. Es ist seine Massnahme, den Druck auf die Krawallmacher zu verstärken. Ohnehin stehe der FCZ in ständigem Dialog mit den Fans, sagte Canepa, selbst mit jenen, die er einfach nicht unter Kontrolle bringt. Bei der gestrigen Situation musste er aber zugeben: «Dieses Problem müssen die Sicherheitsprofis lösen, wir sind überfordert.»
Zürcher Fans kritisieren Polizeieinsatz
Nach einer vorübergehenden Beruhigung eskalierte die Situation dann nach dem Spiel erneut, und es kam zu massiven Sachbeschädigungen und heftigen Schlägereien. Laut der Mitteilung der Basler Behörden, wurde ein Versuch von gewaltbereiten Basler Fans, einen Angriff auf die Zürcher Fangruppe zu lancieren, von der Polizei unterbunden.
Eine Zürcher Matchbesucherin berichtet, die Fans seien bereits beim Verlassen des Stadions einem massiven Polizeiaufgebot gegenübergestanden. Demnach soll in der Folge auch Gummischrot eingesetzt worden sein. «Wir rannten zum Zug, als müssten wir um unser Leben fürchten», so die Augenzeugin. Zudem hätten Basler Fans schwere Steine gegen den Zug geworfen, indem sich auch Kinder befunden hätten.
Keine Sorge in Basel wegen Euro 08
Wie der Informationschef des Basler Sicherheitsdepartements, Klaus Mannhart, gegenüber Radio DRS sagte, waren die Tumulte auf den Rängen des Basler «Joggeli» insofern eine Premiere in den Schweizer Stadien, als bewusst so genannte «Bengalen» auf Zuschauer geworfen worden seien. Ein schlechtes Omen für das Verhalten der Zuschauer an der Euro 08 sei dies aber nicht. Das Publikum, das sich die Spiele der Europameisterschaft anschauen werde, habe viel Geld bezahlt für ihre Tickets und sei allein schon deshalb nicht an Schlägereien und Krawallen interessiert. Zudem gebe es während der Euro 08 keinen Alkohol in den Stadien, was ebenfalls präventiv wirke.
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