Für «das Bild des Jahres» reichte es nicht
16. Mai 2008, 23:19 Von Lukas HäuptliWenn Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf und Alt-Bundesrat Christoph Blocher erstmals aufeinander treffen, ist das vor allem eines: ein Medienereignis.
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Am Schluss half alles nichts: Die Fotografen schoben und schubsten, baten und bettelten, «es würde, Frau Widmer, das Bild des Jahres». Doch Frau Widmer hatte keine Lust aufs «Bild des Jahres» und entschwand, von Bodyguards und Fernsehmitarbeitern abgeschirmt, durch den Hinterausgang. Keine Bundesrätin, kein Bild mit ihr und ihrem Vorgänger, kein Bild des Jahres. So traurig, aber auch so einfach wars.
Kein Wort zur Bundesratswahl
Das war kurz nach acht, und als Letztes hatte Eveline Widmer-Schlumpf noch gesagt: «Das Ziel war eine möglichst sachliche Diskussion. Und dieses Ziel wurde zumindest zum Teil erreicht.» Die Journalisten notierten die beiden Allerweltssätze derart geflissentlich in die Notizblöcke, als ob die Bundesrätin eben ihren Übertritt zur FDP verkündet hätte.
Doch zur allgemeinen Abkühlung der Gemüter lässt sich nach der «Arena»-Sendung festhalten: Eveline Widmer-Schlumpf ist noch in der SVP, Christoph Blocher ebenfalls, und weder sie noch er sind handgreiflich geworden. In der Sendung fiel kein Wort zur letzten Bundesratswahl, kein Wort zum drohenden Parteiausschluss, und schon gar nicht kam es zum «Hass-Duell», wie es der «Blick» in Aussicht gestellt hatte.
Der Marschbefehl der Medien
Doch wenn die SVP das Kommando gibt, marschieren die Medien. Dieses Mal hiess das Kommando: Marsch ins Studio 8 des Schweizer Fernsehens. Dort trafen am frühen Freitagabend Christoph Blocher, Parteiführer und Politiker ohne Amt, auf Eveline Widmer-Schlumpf, Blocher-Nachfolgerin und gewählte Bundesrätin. Mehrere Dutzend Journalisten, Fotografen und Kameraleute waren dem Marschbefehl nach Zürich-Leutschenbach gefolgt, «so viele wohl wie noch nie zu einer Arena», wie «Arena»-Moderator Reto Brennwald nicht ohne Stolz sagte.
Ihren ersten Auftritt hatten die Medienschaffenden gut anderthalb Stunden vor dem Start der Sendungsaufzeichnung. Es war kurz vor fünf, als vor den Gebäuden des Schweizer Fernsehens zwei dunkle Limousinen vorfuhren. Im Fond des zweiten sass Eveline Widmer-Schlumpf, und vor dem Eingang zu den Studios warteten die Journalisten und «Arena»-Redaktionsleiterin Marianne Gilgen. Gilgen wies den Fahrer des bundesrätlichen Gefährts per Handy an, anzuhalten und Widmer-Schlumpf aussteigen zu lassen. Doch der Fahrer fuhr weiter, die Journalisten, Fotografen und Kameraleuten sprinteten dem Wagen nach, und Gilgen sagte ins Handy: «Es wird nur noch schlimmer.»
Ganz schlimm wurde es dann doch nicht. Widmer-Schlumpf stieg schnell aus dem Wagen, huschte schnell durch den Hintereingang ins Gebäude - und die Fotografen schossen schnell ihre ersten Bilder.
Den Mikrofonen entgegen
Da kam Christoph Blocher den Medien doch mehr entgegen - buchstäblich: Eine knappe Stunde später marschierte er demonstrativ gelassen und mit Parteipräsident Toni Brunner im Schlepptau Richtung Studio. Er gab sich bodenständig, sprach in dieses und in jenes Mikrofon, liess sich bereitwillig fotografieren - halt wie immer. Aber eben: Das reicht nicht ganz fürs «Bild des Jahres».
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