Wichtiger Exponent verlässt Glarner SVP
19. Mai 2008, 12:01 Von Thomas BolliMartin Landolt tut, was er von der SVP Glarus gefordert hatte: Er zieht die Konsequenz aus dem geplanten Ausschluss der Bündner aus der Mutterpartei und kehrt der SVP den Rücken.
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Dossier
- SVP im Streit
Nun liegt der Konflikt offen da: Martin Landolt, Vizepräsident der SVP Glarus und Kantonsparlamentarier mit Gewicht, verlässt die Partei. «Die Glarner SVP hat ihre liberale Tradition aufgegeben», sagt er. Der 40-Jährige gehört zu den bekannten und anerkannten SVP-Politikern im Kanton Glarus: Landrat, alt Landratspräsident, ehemaliger Fraktionschef, Präsident der Ortsgruppe Näfels, Vizepräsident der Kantonalpartei, 2004 Regierungsratskandidat.
Die Glarner SVP tanzt gewöhnlich nicht nach der Pfeife der Zürcher SVP. Sie gilt seit Jahrzehnten als liberal und eigenständig. Viele wichtige Exponenten der Partei gehören dem liberalen Flügel an. Nicht unerwartet hatte sich denn auch die Glarner SVP vergangene Woche - gleich wie zuvor die Berner SVP - dagegen ausgesprochen, dass die Bündner SVP aus der Mutterpartei ausgeschlossen wird. Das war ganz im Sinne von Martin Landolt. Er aber hatte zusätzlich verlangt, dass die Glarner SVP aus der SVP Schweiz austritt, falls die Bündner SVP ausgeschlossen wird. Dieser Antrag wurde klar verworfen.
Parteipräsident kritisiert Landolt
Weil er diesen Antrag zusammen mit anderen und ohne Rücksprache mit der Geschäftsleitung vorbereitet und ihn medienwirksam in Umlauf gebracht hatte, forderte ihn Parteipräsident Peter Rothlin zum Rücktritt aus den Parteiämtern auf. «Dieses Komplott ist inakzeptabel», sagt Rothlin. Er, vom Flügel der nach Zürich orientierten Hardliner, hatte bisher Martin Landolt immer unterstützt, bei dessen Regierungsratskandidatur auch finanziell. Auch This Jenny, der kantige und in gesellschaftlichen Fragen nicht linientreue SVP-Ständerat, wirft Landolt «Geheimplanung» vor: «Trotzdem bedaure ich, dass er aus der Partei austritt, er war ein guter Mann.» Landolt sei im Übrigen das beste Beispiel dafür, dass in der Glarner SVP unterschiedliche Meinungen Platz haben.
Ohne Partei im Parlament
Es gibt Stimmen in der Glarner SVP, die der Partei doktrinäres Denken vorwerfen. Dass sein Antrag «parteischädigend» gewesen sei, findet Martin Landolt nicht. Er sei der Meinung, dass die SVP Glarus im Konflikt um Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf mutig habe Stellung beziehen müssen.
Vorerst will Landolt ohne Partei im Kantonsparlament weitermachen. Ob er auf die nächsten Wahlen hin der FDP oder einer anderen Partei beitreten wird, lässt er offen. Unklar war am Montag auch, ob nach ihm weitere Glarner SVP-Exponenten aus der Partei austreten.
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