Kein roter Pass für Polizeimitarbeiter
22. Mai 2008, 19:41 Von Thomas KnellwolfDer Weg zum Schweizer Pass ist manchmal sogar für gut Integrierte endlos. Dies musste auch ein Zürcher Polizeiassistent erfahren.
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Als der Landmaschinenhändler aus dem Dorf Benken im Kanton St. Gallen am letzten Märztag 2008 in der Rietsporthalle zu seiner sorgfältig vorbereiteten Brandrede ansetzt, wird es mucksmäuschenstill. Mit eindringlichen Worten schildert der Mann, wie er sich seit fünf Jahren mit seinem ehemaligen Nachbar streitet. Für ihn gilt sein Kontrahent als Bösewicht. Dieser sieht es genau umgekehrt.
Unbestritten ist einzig, dass die Auseinandersetzung an einem Septemberabend im Jahr 2003 ihren Anfang nahm. Beim Benkner Dorfbrunnen wies der Landmaschinenhändler damals den hier aufgewachsenen Kosovo-Albaner mit serbischem Pass, der sich mit einer Frau unterhielt, zurecht. Er fand, dessen Auto versperre den Weg. Zwischen den beiden damaligen Nachbarn ergab ein Schimpfwort das andere.
«Eine gewaltbereite Person»
Zum Rest der Geschichte gibt es zwei Versionen: Der Landmaschinenhändler beteuert, sein früherer Nachbar habe ihn wiederholt bedroht. Dieser bestreitet dies. Ein Mitglied des Gemeinderats findet, der Landmaschinenhändler sei «nicht gerade ein Freund von Ausländern». Darauf angesprochen, sagt der Mann: «Ich habe nichts gegen Ausländer, aber .» Dann empört er sich wortreich über den früheren Nachbarn.
Nach ihrem ersten Wortgefecht sahen sich die beiden Streithähne vor dem Friedensrichter wieder. Es kam zu keiner Einigung. Der Landmaschinenhändler zog aber seine Klage zurück. Die Sache schien erledigt. Bis sich der Nachbar mit Frau und zwei Kleinkindern vor drei Jahren einbürgern lassen wollte.
An der Bürgerversammlung 2005 ergriff der Landmaschinenhändler das Wort und schilderte seine Sicht der Dinge. «Ich bitte euch, geschätzte Anwesende», schloss er, «eine so gewaltbereite Person nicht mit dem Schweizer Bürgerrecht zu belohnen.» Der Bitte wurde stattgegeben, das Gesuch der ganzen Familie abgelehnt.
Am letzten Märztag dieses Jahres wiederholt sich in der Benkner Gemeindeversammlung die Geschichte. Wieder will sich die vierköpfige Familie einbürgern lassen. Der Landmaschinenverkäufer ergreift erneut das Wort. Sein Votum ab Blatt ist fast identisch. Er schildert noch einmal, wie er 20 Pistolenkugeln auf dem Parkplatz des Einbürgerungswilligen gefunden habe. Gegen die Anschuldigungen und Unterstellungen darf sich der Gesuchsteller an der Versammlung nicht wehren.
Für ihn setzen sich aber der Einbürgerungsrat, neue Nachbarn und der im Dorf einflussreiche Alt-Nationalrat Josef Kühne von der CVP ein. Alle Familienmitglieder seien gut integriert, argumentieren sie, sprächen perfekt Schweizerdeutsch. Jeder in der Rietsporthalle weiss auch: Der Mann spielt im Nachbardorf Amateurfussball, pfeift als Schiedsrichter Partien in unteren Ligen und ist inzwischen in den Dienst der Zürcher Polizei getreten, nach eingehenden Tests und Checks.
Aufstieg zum Polizisten verwehrt
Trotzdem wollen auch diesmal nur 110 Stimmbürger der Kleinfamilie das Benkner Bürgerrecht verleihen, 138 sind dagegen. Drei weitere Gesuche passieren am selben Aprilabend problemlos.
Als Ausländer bleibt es dem Abgelehnten in Zürich verwehrt, vom Polizeiassistenten zum Polizisten aufzusteigen. Gegen den Landmaschinenhändler hat er eine Klage wegen Ehrverletzung eingereicht. Auch rekurriert die Familie bei den St.Galler Behörden. Im kantonalen Justizdepartement ist ein ansehnlicher Haufen mehrfach abgelehnter Gesuche hängig. Wird die Einbürgerungsinitiative der SVP angenommen, wären solche Rekurse nicht mehr möglich.
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