Schweiz

AKW-Gegner kündigen Referendum an

10. Juni 2008, 20:53

Der Stromkonzern Atel hat beim Bundesamt für Energie ein Rahmenbewilligungsgesuch für ein neues Atomkraftwerk in Däniken SO deponiert. Eine Allianz von AKW-Gegnern hat bereits das Referendum angekündigt.

Das neue Atomkraftwerk soll neben dem AKW Gösgen und dem Wasserkraftwerk Niedergösgen gebaut werden.
Keystone Das neue Atomkraftwerk soll neben dem AKW Gösgen und dem Wasserkraftwerk Niedergösgen gebaut werden.

Die Allianz Stopp Atom will das Referendum gegen den Neubau von Atomkraftwerken (AKW) in der Schweiz ergreifen. Das Schweizer Stimmvolk solle in letzter Instanz über das Rahmenbewilligungsgesuch entscheiden, wie die Dachorganisation von 28 Organisationen erklärt. Die Schweizer Grünen teilten mit, sie unterstützten das Referendum. Die SP-Fraktion bekräftigte in einer Resolution den Referendumswillen der Partei.

Atomenergie sei eine veraltete Technologie, die mehr Probleme schaffe als löse, und belaste die Umwelt auf allen Vor- und Nachstufen. Das Atommüllproblem sei weltweit ungelöst, heisst es in der Mitteilung. Die Allianz bestritt in ihrer Stellungnahme, dass es eine Stromlücke gebe. Vielmehr entstehe beim Abschalten der veralteten Schweizer AKW ein «Atomloch», das durch eine nachhaltige, auf Energieeffizienz und erneuerbaren Energien beruhende Energiepolitik gefüllt werden könne.

Die Grünen wollen das Referendum unterstützen, wie sie mitteilen. Statt eines neuen AKWs müsse der Kurswechsel hin zu einer nachhaltigen Energiepolitik vollzogen werden.

Der Wirtschaftsdachverband economisuisse begrüsste dagegen das Gesuch der Atel. Angesichts einer drohenden Stromlücke sei der Neubau für den Wirtschaftsstandort Schweiz von entscheidender Bedeutung, sagte Sprecher Urs Näf. Die Atomenergie sei klimafreundlich, kostengünstig und im Inland erzeugt.

Atel befürchtet Stromlücke

Der Stromkonzern Atel gibt als Hauptgrund für die Planung eines neuen Atomkraftwerks mit Investitionskosten von 6 bis 7 Milliarden Franken den sich abzeichnenden Versorgungsengpass an. Dieser entstehe, weil der Stromverbrauch steige und das Stromangebot wegen der Ausserbetriebnahme der älteren Kernkraftwerke und dem Auslaufen von Langzeitimportverträgen sinken werde.

Atel erinnert daran, dass auch der Bundesrat auf Atomkraftwerke setzt. In seinem energiepolitischen Grundsatzentscheid vom 21. Februar 2007 erachtet er den Ersatz der bestehenden oder den Neubau von AKW als notwendig.

Über das Rahmenbewilligungsgesuch könne in letzter Instanz das Volk entscheiden, da das Rahmenbewilligungsversuch dem fakultativen Referendum unterstehe, schreibt Atel. Das Projekt biete die Gelegenheit für eine breite Diskussion über die Bedeutung der Grosskraftwerke für die künftige Energieversorgung der Schweiz.

Däniken als idealer Standort

Das geplante AKW im solothurnischen Niederamt, ein Leichtwasserreaktor der dritten Generation, soll neben dem Kernkraftwerk Gösgen (KKG) in Däniken SO gebaut werden, sagte Atel-Chef Giovanni Leonardi an einer Medienkonferenz in Olten.

Betroffen seien die Gemeindegebiete von Däniken, Gretzenbach und Niedergösgen. Leonardi glaubt, dass der Projekterfolg von drei Faktoren abhänge. Man habe aus der Geschichte Lehren gezogen.

So müsse ein Kraftwerk von der Mehrheit der Bevölkerung am Standort akzeptiert werden. Diese Unterstützung spüre man am Standort Niederamt. Atel könne auf eine über 40-jährige, positive Zusammenarbeit mit Behörden und Bevölkerung zurückblicken.

Zweiter Faktor sei eine breite Trägerschaft. Ein Projekt wie ein AKW sei «gesellschaftlich exponiert, technisch anspruchsvoll und finanziell risikoreich», betonte Leonardi.

Dies müsse deshalb auf mehrere Schultern verteilt werden. Atel stehe im Gespräch mit verschiedenen Interessenten, insbesondere mit den heutigen AKW-Betreibern. Es bestehe jedoch keinen Zeitdruck.

Leichtwasserreaktor mit Hybridkühlturm

Dritter Faktor sei die Technik. Die Atel beabsichtige, einen Leichtwasserreaktor der dritten Generation zu bauen. Gefragt seien Reaktoren, die sich in der Praxis bereits bewährt hätten, sagte Leonardi.

Die Kühlung erfolge über einen so genannten Hybridkühlturm. Dieser Turm sei nur ein Drittel so gross wie der heutige Kühlturm des AKW Gösgen. Der Turm kann gemäss Atel bei optimalen Betriebs- und Wetterbedingungen nahezu schwadenfrei betrieben werden.

Partner gesucht

Für den AKW-Bau sucht die Atel Holding AG jetzt Partner, um die Investitionen in Milliardenhöhe finanzieren zu können. «Wir haben noch keine Einigung», sagte Atel-Chef Giovanni Leonardi.

Daher habe die Atel das Rahmenbewilligungsgesuch selbst eingereicht, betonte Leonardi. Die Trägerschaft werde sich im Laufe des Bewilligungsverfahrens konkretisieren. Es würden auch Gespräche mit den anderen AKW-Betreibern geführt.

Die geplante Anlage werde «sicher ein Partnerwerk» sein. «Die Zeit für gemeinsame Lösungen ist vorhanden», sagte Leonardi. Dass sich ausländische Partner beteiligen, schloss er aus. Er könne sich kaum vorstellen, dass ausländische Unternehmen investierten oder Platz in der Kernkraftwerk Niederamt AG (KKN) hätten.

Der Stromkonzern rechnet damit, dass das geplante AKW neben dem bestehenden Kernkraftwerk Gösgen (KKG) in Däniken frühestens im Jahr 2025 Strom ans Netz liefert. Als Bauzeit wurden acht Jahre genannt. Atel geht davon, dass ein Referendum über die Rahmenbewilligung in den Jahren 2012/13 stattfinden könnte.

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