Hauptmann des Bootsunfalls ist ein absoluter Militärfan
16. Juni 2008, 23:28 Von Stefan HohlerDer Offizier, der für das Schlauchbootunglück verantwortlich ist, leitet die Sozialabteilung von Wallisellen. Er ist in der SVP und begeisterter Soldat. Seine Spuren im Internet wurden gelöscht.
Der 29-jährige Yves M. wohnt in Birchwil (Gemeinde Nürensdorf) und ist seit eineinhalb Jahren Chef der 12 Mitarbeiter umfassenden Sozialabteilung von Wallisellen. Er ist zudem Anfang Jahr in die Geschäftsleitung der Gemeindeverwaltung berufen worden. Man sei mit der Arbeit von Yves M. sehr zufrieden, sagt seine politische Vorgesetzte, Gemeinderätin Linda Camenisch (FDP). Sie betont, dass es sich um einen kompetenten, loyalen und geschätzten Mitarbeiter handelt. Er habe eine solide kaufmännische Ausbildung mit Zusatzabschluss in Verwaltungsrecht. Die Sozialvorsteherin geht davon aus, dass Yves M. weiterhin als Chef der Sozialabteilung arbeiten werde.
Zuvor hatte er eine eigene Consultingfirma geführt, die u. a. im Bereich Sicherheit, Risiko- und Krisenmanagement tätig war. Yves M. ist in seiner Wohngemeinde auch politisch aktiv. Er ist Mitglied der SVP Nürensdorf und in deren Vorstand.
M. präsidiert zwei Militärvereine
Seine grosse Leidenschaft aber gehört dem Militär. Yves M., der am 1. Januar 2005 zum Hauptmann befördert wurde, ist im April einstimmig zum Präsidenten des Kantonalen Unteroffiziersverbands Zürich & Schaffhausen gewählt worden.
Daneben präsidiert Yves M. noch einen weiteren Verein, die Swiss Army Group (SAG). Entstanden ist die SAG nach dem Viertagemarsch 2003 im holländischen Nijmegen und umfasst heute etwa 40 Mitglieder. Jährlich führt die Gruppe rund 20 Anlässe durch: Sport, Schiessen, Übungen und Geselliges. Yves M. hatte in einem früheren Artikel in der Nürensdorfer Lokalzeitung «Dorfblitz» betont, der SAG sei kein Rambo-Club in dem es militärisch stur zu- und hergehe. Zudem betonte er damals: «Ich gehe keine Risiken ein.»
Inzwischen sind im Internet fast alle Spuren von Yves M. gelöscht worden. Sein Name wurde aus Persönlichkeitsschutz von der Homepage der Gemeinde Wallisellen genommen. Auch auf der Homepage der SVP Nürensdorf sucht man das Vorstandsmitglied vergeblich. Die Homepage des Vereins Swiss Army Group ist ausgeschaltet. Zudem hat der «Dorfblitz» den erwähnten Artikel vom Netz genommen.
Nähe zur Militärjustizsprecherin
Yves M. ist zudem Mitglied des Stiftungsrats der Winkelriedstiftung, die – ein trauriger Zufall – Zürcher Soldaten und deren Familien bei Unfällen unterstützt. Mit M. im Stiftungsrat sitzt auch Silvia Schenker, jene Sprecherin der Militärjustiz, die den Bootsunfall in den letzten Tagen kommentierte. Wie der Chef Kommunikation Militärjustiz gestern mitteilte, sei Schenker nicht an den Untersuchungshandlungen beteiligt und kommuniziere unabhängig von ihrer persönlichen Haltung.
M. ist noch nicht einvernommen worden. Er erlitt beim Unfall einen Kieferbruch.
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