«Nicht jeder, der rumballern will, kann beitreten»

17. Juni 2008, 12:07

Paramilitärische Gruppen wie die Swiss Army Group spielen eine wichtige Rolle für die Schweizer Armee. Für den Militärpsychologen und -pädagogen Hubert Annen bewegen sie sich aber auch in einer Grauzone.

Von Claudia Schön, SDA

Es bestehe die Gefahr, dass der Bogen überspannt werde, gibt Hubert Annen zu bedenken. Dennoch, dass sich in paramilitärischen Gruppen aber vor allem Draufgänger oder gewaltbereite Personen engagierten, weist der Militärpsychologe, der an der Militärakademie der ETH (MILAK) unterrichtet, zurück.

Primär gehe es bei den Verbänden um die fachliche Weiterbildung und die körperliche Ertüchtigung. So gebe es beispielsweise Militärfahrervereine, deren ausserdienstliche Aktivitäten letztlich der Sicherheit zugute kämen. «Solche Verbände gehören zur Kultur einer Milizarmee.» Auch könne ein militärischer Verein dem einen oder anderen ein Türchen öffen, sagt Annen. Das könne nicht von der Hand gewiesen werden.

Wichtige Rolle für Rekrutierung

«Verbände, die ausserdienstliche Aktivitäten fördern, bringen der Armee einen Mehrwert», betont auch Armeesprecher Felix Endrich. Wichtig seien die militärischen Milizverbände, wie er sie nennt, im Hinblick auf die Rekrutierung. So etwa die regionalen Pontonnierverbände. «Wir können deren Jungpontonniere dann quasi vorausgebildet übernehmen», so Endrich.

Militärische Vereine sind zwar von der Armee unabhängig, werden aber von dieser personell, logistisch oder materiell unterstützt, sofern sie einem anerkannten Dachverband angehören und ausserdienstliche Aktivitäten fördern, die der militärischen Ausbildung nützen.

Unterstützung der Armee genoss auch die Swiss Army Group (SAG), deren Präsident der Kommandant der auf der Kander verunglückten Armeeangehörigen ist. Wenige Tage vor dem Unfall führte die SAG eine Übung in der Region durch, bewilligt vom Schweizerischen Unteroffiziersverband (SUOV), dem sie angehört, und der Armee.

Keine Schlauchboote bewilligt

Die Armee bewilligte laut Militärsprecher Endrich das Tragen der Uniform und die Deckung der Übung durch die Militärversicherung. Schlauchboote umfasste die Bewilligung nicht. «Dies war auch nicht nötig», sagte Endrich. Da die SAG die Übung in Zusammenarbeit mit der am Donnerstag verunglückten Lufttransport-Sicherungskompanie 3 durchgeführt habe, habe sie bereits über Schlauchboote verfügt.

Rolf Homberger, Präsident des SUOV, findet für die SAG nur lobende Worte. Sie sei eine der aktivsten Sektionen im SUOV, beteilige sich auch an manchen Verbandsaktivitäten. Zum Unfall vom Donnerstag will er keine Stellung nehmen. Homberger betont aber, dass die dem Unfall vorangegangene SAG-Übung nicht auf der Kander stattgefunden habe. Das sei eine Seeüberquerung vom Kanderdelta aus bis nach Hilterfingen gewesen.

Keine Rambos

Den Präsidenten der SAG, gegen den die Militärjustiz wegen Verdachts auf mehrfache, fahrlässige Tötung und Körperverletzung ermittelt, beschreibt Homberger als «sehr vernünftig». Er fordere viel von sich und seinen Mitarbeitern, sein oberstes Gebot sei aber immer die Sicherheit gewesen. Homberger wehrt sich gegen das Image des «Rambos», das Mitgliedern von paramilitärischen Gruppen nicht selten anhaftet. Die Sektionen und Verbände würden bei der Aufnahme neuer Mitglieder sorgfältig vorgehen. «Nicht jeder, der einfach rumballern will, kann einer Sektion beitreten.» Kontrolliert werden der Leumund sowie der Strafregisterauszug. «Wir wollen eine seriöse Aus- und Weiterbildung fördern.»

Neben der SAG umfasst der SUOV laut Armeesprecher Endrich noch 26 weitere selbständige Vereine. Ausserdem gehören auch acht Unteroffiziersgesellschaften und deren Sektionen zum Verband. Homberger spricht von über 100 selbständigen Vereinen, Regional- und Kantonal-Verbänden und rund 12’000 Mitgliedern, die sich im Verband engagieren. Auch der SUOV hört den Begriff «paramilitärisch» nicht gerne. Er habe einen negativen Touch, sagt Homberger. Er zieht deshalb die Bezeichnung Milizorganisation vor.

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