Die Officine müssen abspecken
24. Juni 2008, 09:26 Von René LenzinDas Industriewerk Bellinzona soll bis 2010 zehn Millionen sparen. Darauf hat sich der runde Tisch verständigt. Noch umstritten ist allerdings ein Teil der konkreten Massnahmen.
Die Angestellten der SBB-Werkstätte in Bellinzona und die SBB wollen das Betriebsergebnis bis 2010 um mindestens zehn Millionen Franken verbessern. Das teilte Franz Steinegger, der Leiter des runden Tisches zur Zukunft des Industriewerks, nach dem gestrigen dritten Treffen mit. Rund zwei Drittel der Verbesserungen gelängen mit Kostenreduktionen, der Rest mit Effizienzsteigerungen, erklärte der frühere FDP-Präsident. Zur Diskussion stand ein Programm mit Massnahmen in den Bereichen Marktbearbeitung, Einkauf und Logistik, Personal, Produktivität und Strukturkosten. Es war von einer gemischten Arbeitsgruppe vorbereitet worden.
Es braucht flexiblere Arbeitszeiten
Noch herrscht allerdings nicht in allen Punkten Einigkeit. Rund drei Viertel der Massnahmen seien akzeptiert, sagte Daniel Bach, der Sprecher des Verkehrsministeriums. Dazu zählten zum Beispiel die Reorganisation der Verkaufsabteilung oder die Reduktion des Lagerraums. Von beiden Seiten anerkannt sei zudem, dass es flexiblere Arbeitszeiten brauche, fügte Steinegger an. Umstritten sei hingegen die Methodik, mit denen man die Verbesserungsprozesse angehen wolle. Und offen sei, ob Cargo-interne Umlagerungen als Ergebnisverbesserung für Bellinzona gelten dürften oder nicht.
Die Lohnfrage kommt 2010
Kein Thema am runden Tisch waren die Löhne der Bähnler. Diese Frage stelle sich erst 2010, wenn der aktuelle Gesamtarbeitsvertrag auslaufe, sagte Steinegger. Bedeutung habe die Lohnfrage vor allem im Hinblick auf die mögliche Zusammenarbeit mit Privaten. Darüber wolle man aber erst später im Rahmen der langfristigen Perspektiven sprechen. Im Interview mit dem TA hat SBB-Chef Andreas Meyer kürzlich vom «Handicap der bestehenden Lohnunterschiede von 15 bis 20 Prozent im Vergleich zu privaten Arbeitgebern im Tessin» gesprochen.
Bis zum 3. September soll die Arbeitsgruppe nun den kurzfristigen Massnahmenkatalog bereinigen. Dann will man sich wieder am runden Tisch treffen. Damit ist klar, dass die Gespräche mindestens doppelt so lange dauern wie ursprünglich geplant. Verkehrsminister Moritz Leuenberger hat den runden Tisch einberufen, nachdem sich die Angestellten in Bellinzona mit einem einmonatigen Streik gegen die Abbaupläne der defizitären SBB-Cargo gewehrt hatten.
Bereits nach den früheren Treffen hatten beide Verhandlungspartner betont, dass die Officine eine höhere Auslastung und damit mehr externe Kunden brauchen. Ziel des Massnahmenkatalogs sei es auch, das Werk besser für Drittaufträge zu positionieren, sagte Steinegger gestern. Allerdings ist noch nicht einmal klar, ob der derzeit grösste externe Kunde seine Güterwagen weiterhin in Bellinzona warten lässt: Die Hupac, Nummer 1 im kombinierten Güterverkehr durch die Alpen, verhandelt laut Sprecherin Irmtraut Tonndorf immer noch über die Vergabe der Wartungsarbeiten für 2009. Es geht dabei um ein Auftragsvolumen von immerhin rund 20 Millionen Franken pro Jahr.
Hupac reorganisiert seinen Unterhalt
Die Hupac ist derzeit daran, den Güterwagenunterhalt neu zu organisieren. Laut Tonndorf laufen Gespräche mit externen Partnern, welche die Wartungsarbeiten europaweit besorgen würden. Um im Geschäft mit der Hupac zu bleiben, müsste das SBB-Werk Bellinzona daher wohl Partnerschaften mit andern Firmen eingehen. Ein von der SBB-Spitze geplantes Joint Venture mit der Ferriere Cattaneo und der Joseph Meyer AG ist jedoch als Folge des Streiks Makulatur geworden. Ob es sich später realisieren lässt, ist fraglich. Jedenfalls wollen Cattaneo und Meyer bis 2010 ein eigenes Unterhaltszentrum für Güterwagen entlang der Nord-Süd-Achse realisieren. Man hätte gerne mit den SBB zusammengearbeitet, sagte der Chef der Cattaneo in den Tessiner Medien, könne nun aber nicht mehr länger warten.
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