KOMMENTAR
Kritiker sollten begeistert sein
25. Juni 2008, 21:32 Von Philipp Mäder
Inzwischen räumen auch Experten ein: Die Prävention ist zu wenig effizient. Zu viele Gruppen machen in zu vielen Bereichen zu viele Aktionen. Resultat: Obwohl die Schweiz pro Jahr über eine Milliarde Franken für Prävention und Gesundheitsförderung ausgibt, bleibt der Effekt gering. Die Jugendlichen saufen sich trotzdem ins Koma, die Zahl der Übergewichtigen nimmt zu, die Schwulen stecken sich wieder öfter mit HIV an.
Was also ist zu tun? Die Hardliner unter den Präventionskritikern werden die heutigen Missstände gegen das neue Präventionsgesetz ins Feld führen. Schon bisher habe sich niemand durch eine Broschüre vom Rauchen abhalten lassen, werden sie argumentieren. Da brauche es sicher kein neues Gesetz.
Dabei müssten die Kritiker gerade das Gegenteil fordern. Denn bisher war die Prävention in der Schweiz zu wenig effizient, weil es an Koordination und klaren Zielen mangelte. Hier setzt das neue Gesetz an. In Zukunft soll die linke Hand wissen, welche Kampagne die rechte plant. Und das Geld soll dorthin fliessen, wo es tatsächlich Krebs, Herzinfarkte, Depressionen und Aids verhindern kann.
Apropos Geld: Das neue Gesetz habe keine Mehrausgaben zur Folge, verspricht Thomas Zeltner, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit. So sicher wie der Tod ist aber schon heute: Weil das Gesetz die Prävention auf alle schweren Krankheiten ausdehnt, werden die zuständigen Stellen mehr Geld fordern, sobald es in Kraft ist. Doch dann bietet das Gesetz die Möglichkeit, solche Forderungen anhand von Evaluationen seriös zu prüfen. Und mehr Geld zu sprechen. Oder aber die Mittel zu kürzen, wenn die Prävention zu wenig Wirkung zeigt.
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