Schweiz

Noch nie sind so viele Leute Zug gefahren

29. Juni 2008, 13:15

Die SBB haben im ersten Halbjahr dieses Jahres einen Passagierrekord verzeichnet. Um überfüllte Züge zu vermeiden, sollen Milliarden in neues Rollmaterial investiert werden.

Die SBB haben im ersten Halbjahr 2008 fünf Prozent mehr Passagiere befördert als in der Vorjahresperiode. «Noch nie sind innerhalb von sechs Monaten so viele Menschen Zug gefahren wie im ersten Halbjahr 2008», sagt SBB-Chef Andreas Meyer in einem Interview mit der Zeitung «Sonntag». Dies, nachdem die Zahl der Passagiere bereits im vergangenen Jahr um 7,6 Prozent gesteigert worden sei.

Der Passagierrekord sei aber nicht nur auf die Euro 08 zurückzuführen. Die SBB beförderten jeden Tag gegen 900'000 Reisende. Für die EM wurden insgesamt eine Million zusätzliche Passagiere in 2700 Extrazügen befördert.

Um überfüllte Züge zu entlasten, führe die SBB immer öfter Extrazüge - nicht nur bei Grossanlässen. «Wir investieren in neues Rollmaterial.» Im Mai hatte die SBB angekündigt, mit dem Fahrplan 2009 das Bahnangebot weiter auszubauen. Bis 2030 sollen im Fernverkehr über 11 Milliarden Franken in neues Rollmaterial investiert werden. Im Regionalverkehr will die SBB weitere 8 Milliarden Franken für die Fahrzeugflotte ausgeben.

Partnerschaften für SBB Cargo

In Bezug auf den Güterverkehr erklärt der SBB-Chef, dass sich der Inlandverkehr positiv entwickle. Im internationalen Geschäft brauche es mehr Zeit. Hier führe kein Weg daran vorbei, Partnerschaften einzugehen. «Den isolierten und aggressiven Alleingang können wir nicht bestreiten». SBB Cargo habe richtigerweise die Nord-Süd-Achse bedient und gehofft, dies im Alleingang zu schaffen. Es sei eine wichtige Achse, doch könne diese nicht isoliert betrieben werden.

Auf lange Sicht müssten sich die SBB mit anderen absprechen, wie in Kooperationen die Leistungen auch ausserhalb der Nord-Süd-Achse angeboten werden könnten. Das Ziel sei ein vernünftiges und langfristiges Geschäftsmodell. «Wir evaluieren jetzt bis spätestens Anfang 2009 die verschiedenen Allianz- und Beteiligungsmodelle», sagt Meyer. Eine Beteiligung schliesse er nicht a priori aus.

Im Bereich SBB Cargo, der im vergangenen Jahr einen Verlust von 190,4 Millionen Franken ausgewiesen hatte, werde das Ergebnis 2008 leicht besser sein als im Vorjahr. Die Zahlen seien allerdings nach wie vor rot.

Privatisierung keine Option

Meyer glaubt nicht an eine Privatisierung der SBB. Er gehe davon aus, dass der Bund auch in zehn Jahren noch 100-prozentiger Eigentümer der SBB sein werde. Bei einer Privatisierung würde die Infrastruktur, also das Schienennetz, wahrscheinlich vom Betrieb getrennt, «das ist in der Schweiz nicht realistisch» und würde mehr Nachteile als Vorteile bringen, sagt der SBB-Chef.

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