850 Millionen zu viel für Medikamente bezahlt
07. August 2008, 15:00Medikamente sind im Ausland weiterhin deutlich günstiger als in der Schweiz. Laut Santesuisse könnten bis zu 4 Prozent der Kosten der Grundversicherung eingespart werden.
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Zwar hat sich die Preisdifferenz zum Ausland laut Santesuisse verringert. Dennoch ortet der Krankenkassendachverband bei Originalpräparaten ein Einsparpotenzial von rund 500, bei Generika von 360 Millionen.
«Wenn wir die Kosten im Griff halten wollen, müssen alle Bereiche konsequent auf ihr Sparpotenzial untersucht werden», sagte Santesuisse- und Ständeratspräsident Christoffel Brändli (SVP/GR).
4,2 Milliarden Franken für Medikamente
Brändli wies darauf hin, dass die Krankenversicherer im Jahr 2006 für Medikamente, die in Apotheken oder bei Ärzten bezogen wurden, 4,2 Milliarden Franken ausgegeben hätten. Innert sieben Jahren seien diese Kosten um 1,3 Milliarden Franken gestiegen. Je nachdem, ob die Spitäler mitgerechnet würden, seien die Medikamente für rund 20 bis 25 Prozent der Kosten in der Grundversicherung verantwortlich.
Zwar haben sich die Preisdifferenzen zum Ausland laut santesuisse im Vergleich zum Vorjahr verringert, doch bestehe nach wie vor Handlungsbedarf. So lägen etwa die Fabrikabgabepreise von Originalmedikamenten in Österreich, Frankreich und Italien um 17 bis 25 Prozent unter denjenigen in der Schweiz. In Deutschland, Dänemark, den Niederlanden und England - den Hauptreferenzländern des Bundesamts für Gesundheit - seien diese Preise bis sieben Prozent günstiger. Pharmaindustrie und Handel erhielten demnach für die gleichen Medikamente in der Schweiz weiter einen zum Teil klar höheren Preis als in allen Vergleichsländern.
Sparpotential Generika
Würden alle Patienten konsequent das günstigste Generikum verwenden, liessen sich innerhalb der Gruppe der 30 umsatzstärksten Vergleichswirkstoffe rund 135 Millionen Franken einsparen, wie Santesuisse schreibt. Weiteres Einsparpotenzial liege in der beträchtlichen Preisdifferenz zwischen der Schweiz und dem Ausland.
Insgesamt beziffert Santesuisse das Einsparpotenzial bei Generika und Originalmedikamenten auf über 850 Millionen Franken. Das entspreche fast vier Prozent der Gesamtkosten der Grundversicherung. Diese Zahlen sollten die für die Preisgestaltung massgebenden Akteure anspornen, das Potenzial auch auszuschöpfen, sagte Santesuisse-Direktor Stefan Kaufmann und unterstrich : «Wir müssen uns bewusst sein, dass diese Einsparung ohne die geringste Einbusse bei der Qualität, beim Zugang zu den Medikamenten oder beim Service verbunden ist.»
Der Verband fordert deshalb prämienwirksame Preissenkungen. Zudem solle sich der Bund bei der Preisfestsetzung nicht nur an die Hochpreisländer Deutschland, Holland, Dänemark und England anlehnen, sondern auch Frankreich, Österreich und Italien berücksichtigen.
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