«Die Grünen unterstützen mich voll»
01. November 2007, 11:00Wie hat Ständeratskandidatin Verena Diener (GLP) die Kritik an ihrer Person ertragen und was gefällt ihr an Ueli Maurer? Ihre Antworten im Tagi-Talk.
MARTI
Verena Diener beantwortete im TagiTalk die Fragen der TA-Leserinnen und -Leser.
Moderator:
Frau Diener ist bei uns eingetroffen, guten Morgen. Erste Frage: Haben Sie sich vom Seilziehen mit Chantal Galladé erholt?
Verena Diener:
Ja. Dank der Vernunft von allen stehen wir heute gemeinsam von links bis ins bürgerliche Lager geschlossen da und haben damit eine reelle Chance, die zweite Stimme für den Ständerat zu gewinnen.
Michael, Römerhof:
Was sagen Sie zu den Vorwürfen der «Tages-Anzeiger»-Redaktion, Sie hätten der «jungen» Chantal Galladé den Platz im Ständerat verwehrt?
Verena Diener:
Die Emotionen nach den Wahlen waren überall stark vorhanden. Inzwischen ist auch die nüchterne Vernunft wieder im Raum, denn es geht letztlich nur um die Frage, wer die grösstmögliche Chance für den Ständeratssitz von links bis ins bürgerliche Lager hat.
Robert Stadler, Zürich:
Frau Diener, hoffentlich sind Sie nicht abergläubisch ... Monica Kissling meinte gestern Abend auf TeleZüri, die Sterne stünden für Herrn Maurer weitaus besser als für Sie .
Verena Diener:
Ich bin nicht abergläubisch, und ich greife auch nicht nach den Sternen, sondern nach dem zweiten Ständeratssitz.
Claudio Rutz, Stäfa:
Sind Sie Esoterikerin?
Verena Diener:
Nein, aber ich habe ethische Grundwerte, die mich auch in der Politik begleiten, und ich bin überzeugt, dass es noch etwas Grösseres gibt als die Menschen.
Jeannine Deringer, Stammheim:
Was gefällt Ihnen an Ueli Maurer?
Verena Diener:
Seine unverkrampfte Freude an der politischen Auseinandersetzung.
Alfred Felder, Winterthur:
Wenn Sie gewusst hätten, dass Frau Galladé mehr als dreimal mehr Zweitstimmen (Galladé 29'092 – Diener nur 9306) erhalten hat als Sie, hätten Sie trotzdem kandidiert? Wenn ja, dann ignorieren Sie den Wählerwillen!
Verena Diener:
Hätte Frau Galladé die breite Unterstützung von links bis ins bürgerliche Lager für den zweiten Wahlgang vollumfänglich erhalten, hätte ich mich zurückgezogen. Schliesslich ging es nur noch um die Frage, wer das grössere Mobilisationspotential auch ins bürgerliche Lager hat.
Fred-Marc Gmür:
Hallo Frau Diener, Herr Maurer grinst einen am Morgen von Plakaten an. Werden Sie auch noch Geld aufwerfen für Plakatwerbung vor dem 25.11.? Wann darf man damit rechnen?
Verena Diener:
Klar, die Plakate sind gedruckt und werden jetzt aufgehängt. Ich werde allerdings nicht grinsen ... und im Übrigen werden Sie mich täglich an Standaktionen im ganzen Kanton antreffen. Mein angestrebtes Budget wird zunehmend unterstützt.
Daniela Zürcher, Winterthur:
Werden Sie Christoph Blocher, Ihren Mitstreiter im Kampf gegen den EWR, in den Bundesrat wählen?
Verena Diener:
Diese Frage habe ich bis heute immer mit «no comment» beantwortet, weil ich diesen Personenkult nicht unterstützen will und das Ständeratsmandat mehr als nur Bundesratswahlen beinhaltet.
Rolf Luginbühl, Winterthur:
Verzichten Sie zumindest auf einen Teil ihrer Rente als Alt-Regierungsrätin, wenn Sie in den Ständerat gewählt werden?
Verena Diener:
Ich erhalte schon heute keine Vollrente, und die Regeln sind bei mir, wie bei Ständerat Hans Hofmann, die Einkommensobergrenze ist limitiert, was ich auch richtig finde.
Urs Hermann, Zürich:
Wie gehen Sie mit der teilweise persönlich verletzenden Kritik des «Tages-Anzeigers» um? (Machtgierig, Diva etc.)
Verena Diener:
Die Anwürfe der letzten zehn Tage in den Medien waren für mich sehr anspruchsvoll und erschwerten meine Entscheidungsfindung. Letztlich überwog aber doch der Wunsch nach einer breit wählbaren Alternative zu Ueli Maurer. Sollte mir/uns dies nicht gelingen, wird wohl ein zweites, ähnliches Gewitter nochmals auf mich einprasseln.
Kevin Klopfenstein, Aarau:
Wie stehen Sie eigentlich heute zu den Grünen? Herrscht da eisige Kälte, oder können Sie sich aus diesem Lager auch Stimmen erhoffen?
Verena Diener:
Die Grünen unterstützen mich voll. Heute hat sich auch der Kopräsident in mein Unterstützungskomitee eingetragen, und sie werden auch Werbematerial verteilen.
Katja Zürcher, Hinwil:
Sind Autofahrer für Sie schlechtere Menschen?
Verena Diener:
Nicht schlechter als ich, denn ich benütze neben dem GA/öffentlichen Verkehr auch Auto oder Taxi.
Martin Widmer, Oberembrach:
Liebe Frau Diener, Herr Maurer zielt darauf ab, Ihre Leistungen zu schmälern. Ihre Amtsführung als Gesundheitsdirektorin wird kritisiert (aufgebrachte Ärzte, massive Kostenerhöhung, schlechtere Qualität) sowie Ihr Abstimmungsverhalten im Nationalrat (90% = Jean Ziegler). Ihre Stellungsnahme dazu?
Verena Diener:
Ich habe als Gesundheitsdirektorin das Zürcher Gesundheitswesen tiefgreifend umgekrempelt. Wir haben die Kosten gesenkt, die Qualität gesteigert, das Psychiatrieangebot modernisiert, einen Forensikneubau (gegen den Willen der SVP) erstellt, ein Patientengesetz verfasst, ein Palliativkonzept erstellt und vieles mehr. Unter
www.verenadiener.ch
ist mein Leistungsausweis anzutreffen. Dass ich politisch dem Bereich der Mitte angehöre, ist ein offenes Geheimnis.
Pat Studer, Zürich:
Legen Sie Ihr Mandat als Verwaltungsratspräsidentin der Solothurner Spitäler bei einer allfälligen Wahl nieder? Ich sehe da grösseres Konfliktpotenzial ...
Verena Diener:
Nein, denn der Kanton Solothurn betreibt keine Spitzenmedizin und ist auch punktuell Kunde im Kanton Zürich.
Christine Aeschbacher, Meilen:
Wie sollte Ihrer Meinung nach die Zusammensetzung des Bundesrats nach dessen Wahl im Dezember aussehen?
Verena Diener:
Mit konsensfähigen Männern und Frauen, die die ökologischen Anliegen wirklich ernst nehmen und auch wissen, dass sich Ökonomie und umweltschonendes Verhalten gegenseitig bedingen.
Thomas Schiller, Zürich:
Guten Tag Frau Diener, können Sie sich vorstellen, einmal für den Bundesrat zu kandidieren?
Verena Diener:
Zu kandidieren oder gewählt zu werden? Wohl beides nicht.
Suleika Dissertori, Winterthur:
Galladé ist sicher am Puls der Jungen und Jüngeren – was tun Sie für die Jungen? Denken Sie, dass Sie die Bedürfnisse der Jungen verstehen und vertreten können?
Verena Diener:
Meine beiden Töchter sind im ähnlichen Alter wie Chantal Galladé. Ich weiss, dass diese Generation Frauen mit den Füssen auf dem realen Lebensboden stehen und ihre Mitverantwortung tragen. Meine politische Arbeit richte ich immer auch auf die Verantwortung kommender Generationen aus.
Margarita Zemp, Gockhausen:
Wie stehen Sie zur Aussage: «Möglichst wenig Menschen mit möglichst wenig Fluglärm belasten»? Und wie ist Ihre Wahlempfehlung für die Flughafeninitiative?
Verena Diener:
Ich teile diese Ansicht und werde darum die Initiative – auch wenn sie Mängel hat – unterstützen, denn sie soll den Willen der Bevölkerung widerspiegeln, die sich gegen einen unbegrenzten Ausbau des Flugverkehrs wenden. Den Gegenvorschlag werde ich ebenfalls unterstützen, weil er mit seinem Begrenzungsansatz auch in diese Richtung geht. Der Wirtschaftsstandort Zürich lebt nicht nur vom Flughafen, sondern auch von der Lebensqualität etc. in unserem Kanton.
Ernst Maier, Winterthur:
Was sagen Sie zu den jüngsten Verstrickungen von Spitalratspräsident Hasler?
Verena Diener:
Ich bin nicht im Detail informiert und kann mich darum auch nicht dazu äussern.
Felix Dutli, Kroatien:
Trifft es wirklich zu, dass mit der SP keine Gespräche über eine «abgestimmte» Kandidatur stattgefunden haben, wie in der Presse berichtet?
Verena Diener:
Die SP stand vor und nach den Wahlen in einer schwierigen Ausgangssituation. Leider waren meine Bemühungen um substantielle Vorgespräche erfolglos. Wir wollen aber heute gemeinsam den Blick nach vorne richten.
Hugo Haubensak, Hagenbuch:
Herr Maurer versucht, Sie in die linke Ecke zu stellen und so für Mitte und Bürgerliche (v.a. FDP) unwählbar zu machen. Haben Sie umgekehrt Ähnliches vor: Maurer in die rechte Ecke schieben und klar machen, dass mit Ihrer Wahl Ulrich Schlüer verhindert werden kann.
Verena Diener:
Zum Glück wissen das ja schon fast alle ...
Thomas Moser, Rüschlikon:
Glauben Sie wirklich, die Ängste der Leute betreffend Einwanderung zu kennen? Ist Ihnen das Wort «Überfremdung» bekannt? Bei Ihren Äusserungen vermisse ich diesen Aspekt! Ich habe das Gefühl, Sie haben die Basis aus dem Auge verloren!
Verena Diener:
Wir haben im Nationalrat für die Revision des Ausländer- und Asylgesetzes gestimmt, weil uns diese Problematik bekannt ist und wir sie auch ernst nehmen.
Markus Müller, Winterthur:
Sehr geehrte Frau Diener, um gegen Herrn Maurer bestehen zu können, wird es nicht unwesentlich sein, Stimmen von «abtrünningen» freisinnigen Wählern zu erhalten. Wie wollen Sie diesen Spagat schaffen – einerseits liberale Wähler zu sich hinüberzuziehen und andererseits für die Linke noch wählbar sein?
Verena Diener:
Indem ich mir treu bleibe und meine poliitsche Haltung nicht nach allen Seiten anpasse.
T. Kleiner, Zürich:
Wie beurteilen Sie Ihre Wahlchance in %?
Verena Diener:
50:50, ich werde jede Stimme brauchen, und wer leer einlegt, wird den SVP-Kandidaten damit stärken.
Sebastian Staubli, Luzern:
Herr Mauer fand vorgestern, dass ihre Positionsänderung betreffend EU auf «Persönlichen Unsicherheiten» ihrerseits zurückzuführen wären. Was antworten sie da?
Verena Diener:
Ich schmunzle, weil Weiterentwicklung auch in den politischen Fragen nichts Negatives ist für mich.
Hanspeter Baserga, Kloten:
Wie geht das zusammen, dass Sie sich als liberal bezeichnen und dennoch für Flugbegrenzungen einstehen?
Verena Diener:
Die Freiheit des Individuums hört eben dort auf, wo sie für Umwelt und Mensch schädlich ist, und kein anderer Weg – zumindest kurzfristig – an Einschränkungen vorbeigeht.
Peter Müller, Zürich:
Was hat die Umwelt von Ihrer zwölfjährigen Tätigkeit im Regierungsrat profitiert? Welche grünen Anliegen haben Sie lanciert und umgesetzt?
Verena Diener:
Im Gesundheitswesen waren Umweltfragen nicht prioritär. Wohl aber in der Gesamtregierung. Dort war ich eine konsequente, ökologische Stimme.
Martin Schwarz, Zürich:
Als Regierungsrätin haben Sie sich nicht primär für möglichst viel Spitzenmedizin im Kanton Zürich, sondern für Kompromisse und Konsens mit anderen Kantonen eingesetzt. Warum sollte ich Sie als Standesvertreterin wählen, wo Sie doch offensichtlich «übergeordnete» Interessen haben?
Verena Diener:
Wir leben in einem kleinen Land, das nur durch einen gemeinsamen Entwicklungsprozess zur notwendigen Konzentration der spitzenmedizinischen Leistungen kommt. Dialog ist dabei unumgänglich, auch wenn für mich klar ist, dass Zürich den Spitzenplatz behalten muss.
R. Berger, Zürich:
Was müsste man Ihrer Meinung nach gegen den Vandalismus im öffentlichen Raum (Bahnhöfe etc.) unternehmen?
Verena Diener:
Verfehlungen konsequenter ahnden, unanständiges Benehmen nicht mehr tolerieren und eine bessere Überwachung.
Robin Walter, Dietikon:
Gemäss Ihrem Abstimmungsverhalten im Nationalrat stehen Sie den Schweizer Sozialisten sehr nahe. Wieso nennen Sie sich trotzdem «liberal»?
Verena Diener:
Ich habe immer im rechten Flügel der Grünen politisiert. Das führte ja letztlich zur Abspaltung und Gründung der Grünliberalen Partei.
Dacil Meili:
Wieso soll ein Sitz im Ständerat mehr bewirken als ein Sitz im Nationalrat?
Verena Diener:
Weil im Ständerat, als kleine Kammer, der Kanton Zürich eine wichtige Stellung hat und die Zürcher Bevölkerung dort repräsentativ vertreten werden sollte.
Rolf Hörler, Muralto:
Die SVP wird auch im bevorstehenden Wahlkampf wieder sehr viel mehr finanzielle Mittel einsetzen können, als Ihre Seite es vermag. Besteht dadurch nicht die Gefahr, dass die SVP den Sieg wieder «erkaufen» kann?
Verena Diener:
Ich hoffe, dass unsere Bevölkerung nicht käuflich ist.
Moderator:
Die Stunde ist bereits um. Sehr viele Fragen konnten leider nicht beantwortet werden. Wir bedanken uns bei Frau Diener und bei allen Leserinnen und Lesern.
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