Schweiz

Auf der Erde wirds vier Grad wärmer

29. September 2005, 15:18

Das Klima auf der Erde wird sich in den nächsten 100 Jahren so schnell ändern wie nie zuvor. Nach der jüngsten Studie des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie wird die Temperatur im Schnitt um bis zu vier Grad zunehmen, der Meeresspiegel steigt um 30 Zentimeter.

Wettersituationen, in denen extremes Hochwasser auftreten kann, nehmen laut dem Hamburger Max-Planck-Institut zu.
Wettersituationen, in denen extremes Hochwasser auftreten kann, nehmen laut dem Hamburger Max-Planck-Institut zu.
Von Claus-Peter Tiemann, AP

«Unsere neuen Ergebnisse sind robuster als bisher. Wir sind von der Zuverlässigkeit überzeugt», sagte heute der Geschäftsführende Direktor des Instituts, Jochem Marotzke. Die Wissenschaftler erwarten unter bestimmten Bedingungen sogar, dass das Eis der Nordpolregion im Sommer völlig schmilzt.

Dort sei sogar ein Anstieg von zehn Grad möglich. Die Auswirkungen des Klimawandels werden sich nach Einschätzung der Forscher nicht gleichmässig über die Erde verteilen, sondern einige Kontinente mehr, andere weniger treffen. So soll die Antarktis kaum von den Änderungen betroffen sei.

Das Hamburger Institut stützt sich in seiner Vorhersage auf neueste Modellrechnungen des Deutschen Klimarechenzentrums. Darin sind den Angaben zufolge auch jüngste Erkenntnisse über Nebel und Staub in der Luft eingeflossen, sowie über den Kohlenstoff-Kreislauf. Im Vergleich zu früheren Klimamodellen seien viele neue Erkenntnisse berücksichtigt worden.

50 Forscher arbeiteten mehrere Jahre an der Studie, die ein Beitrag für den internationalen IPCC-Report ist. In diesem Report werden seit 1988 in regelmässigen Abständen die wichtigsten Forschungsergebnisse zum Klimawandel gebündelt und Politikern als Grundlage von Entscheidungen zur Verfügung gestellt. Institutsdirektor Guy Brasseur machte klar, das praktisch alle Klimaforscher vom einer Erderwärmung überzeugt seien. «Wir sagen vier Grad mehr, andere sagen 3,7 oder 3,8 Grad mehr», sagte er.

CO2-Ausstoss eindämmen
Der Klimawandel wird für die Einwohner vieler Regionen gefährlich: «Wettersituationen, in denen extremes Hochwasser auftreten kann, nehmen zu», sagte Studienleiter Erich Roeckner. Für Mitteleuropa erwartet er mehr anhaltende Wolkenbrüche, die dann die Flüsse über die Ufer treten lassen könnten.

Ausserdem soll es im Winter mehr Westwindlagen geben. Das begünstigt Sturmfluten an der Nordsee. Der Pegel der Nordsee soll bis 2100 mit 43 Zentimetern überdurchschnittlich stark steigen. Anderseits werde es mehr heisse und lange Sommer geben. «Eine Hitzewelle wie im Jahr 2003 wird in 50 Jahren der Normalfall sein», sagte Roeckner.

Grund des Klimawandels ist nach Überzeugung der Wissenschaftler der Mensch, der durch die Verbrennung von Holz, Kohle, Öl und anderen Energieträgern das Gas Kohlendioxid (CO2) in die Luft ausstösst. Dieses Gas führt zur Erwärmung der Atmosphäre.

Seit 1850 ist die Durchschnittstemperatur laut Institut aus diesem Grund bereits um 0,7 Grad gestiegen. Klimaforscher Roeckner forderte die Einschränkung des CO2-Ausstosses etwa durch den Umstieg auf alternative Energien. Ausserdem müssten die Länder sich auf die Wetteränderung vorbereiten, etwa mit höheren Deichen.

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