Schweiz

«Sichtbar gemachte Ökologie»

07. März 2007, 13:46

Der durchsichtige und fast völlig aus Kunststoff gefertigte «Rinspeed eXasis» ist eine der auffälligsten Weltpremieren auf dem Genfer Autosalon. Neben dem spektakulären Design glänzt der Wagen mit tiefen Verbrauchswerten.

Der 150 PS starke Zweisitzer verbraucht auf 100 km 5,5 Liter Treibstoff.
Der 150 PS starke Zweisitzer verbraucht auf 100 km 5,5 Liter Treibstoff.
Von Michael Bauer, AP

Der zigarrenförmige Zweisitzer, den der Schweizer Auto-Vordenker Frank Rinderknecht zusammen mit den Autoexperten des Bayer-Konzerns entwickelt hat, ist das erste transparente Auto der Welt. «Es ist sichtbar gemachte Ökologie» erklärt Bayer-Sprecher Gerd Dressen in Genf. Das mit Bioethanol betriebene Konzeptauto hat laut Dressen einen CO2-Ausstoss von gerade einmal 20 Gramm pro Kilometer.

Zwar wird der von einem 150 PS starken Zweizylinder-Motor angetriebene «eXasis», der es auf eine Spitzengeschwindigkeit von 210 km/h und einen Verbrauch von 5,5 Liter pro 100 Kilometer bringt, in dieser Form nie auf eine normale Strasse kommen. Das ist aber auch nicht Sinn des Projekts. «Wir geben der Autoindustrie Denkanstösse für die Fahrzeuge von morgen», erläutert Dressen die Idee hinter dem «eXasis».

Im Test beim Bundesamt für Energie
Trumpfkarte ist vor allem die Gewichtsreduktion. «Wenn wir über Öko reden, müssen wir übers Abspecken reden», sagt Dressen und verweist darauf, dass das Schweizer Bundesamt für Energie den Konzeptwagen als Probanden für eine Studie zum Thema «Leichtbau und Ökologie» ausgewählt hat. Der «eXasis» soll zwar «öko, aber keine fahrbare Verzichterklärung sein» und zeigen, dass sparsame und klimafreundliche Fahrzeuge nicht unbedingt «klein und hässlich sein müssen», betont der Bayer-Sprecher.

Verantwortlich für das geringe Fahrzeuggewicht von nur 750 Kilogramm ist der Kunststoff Makrolon, den der Chemiekonzern schon vor Jahrzehnten entwickelt hat. Das Polykarbonat ist ein richtiger Tausendsassa und steckt beispielsweise in CDs, DVDs - und dank ständiger Weiterentwicklung neuerdings eben auch im Auto. Schon jetzt wird das Leichtbaumaterial, das besser als Glas formbar ist, im Fahrzeugbau angewendet, beispielsweise in transparenten Dächern bei Smart und Mercedes, wie Dressen berichtet.

«Quantensprung»
Das Abspecken im Fahrzeugbau wird in Zukunft immer wichtiger, ist auch der Branchenexperte Willi Diez überzeugt. «Gerade beim Thema Verbrauch wird die Verwendung leichter Baumaterialien einen Quantensprung bringen», sagt der Professor vom Institut für Automobilwirtschaft im deutschen Geislingen, als er den durchsichtigen Konzeptwagen auf dem Messestand in Augenschein nimmt. Solche innovativen Beiträge wie der «eXasis» seien wichtig, weil sie der Autoindustrie zeigten, was alles möglich ist. Als nächste denkbare Einsatzgebiete gewichtssparender Kunststoffteile in der Massenproduktion sieht Diez Scheiben und Karosserieteile.

Für den Schweizer Autoveredler Rinderknecht ist die Arbeit am «eXasis» trotz seiner jahrelangen Erfahrung mit spektakulären Konzeptwagen etwas ganz Besonderes gewesen. «Es war sehr spannend zu sehen, was aus unserer Vision wird», sagt er. «Die grosse Überraschung war dann, die Transparenz in der Realität zu sehen. Die Erwartungen wurden übertroffen.»

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