«Dr Schacher Seppli» löst Polo Hofers «Alperose» ab

02. Dezember 2007, 23:26 – Von Daniel Zumoberhaus

«Dr Schacher Seppli» ist zum grössten Schweizer Hit auserkoren worden. Er setzte sich klar vor «Ewigi Liäbi» von Mash durch.

Ruedi Rymann rührte die Nation mit seinem Lied «Dr Schacher Seppli».
Keystone Ruedi Rymann rührte die Nation mit seinem Lied «Dr Schacher Seppli».

Ruedi Rymann ging mit seinem «Schacher Seppli» als Favorit ins Rennen um den grössten Schweizer Hit. Mit dem Lied vom Vaganten, der tagsüber gern mal ein «Schnäpsli» trinkt, des Nachts im Heu liegt und von «Peterus» an der Himmelstür persönlich begrüsst wird. Rymann wurde der Favoritenrolle gerecht. Das Schweizervolk wählte den Evergreen mit beinahe 50 Prozent aller Stimmen zum grössten Schweizer Hit. Der sympathische Obwaldner hatte bereits auf dem Weg in den Final der «Heimat»-Sendung den Spitzenwert erreicht.

Nach seinem Auftritt gabs für Rymann eine Standing Ovation. Das war ihm sichtlich peinlich («lönt doch das sii»). Er habe sich niemals vorstellen können, dass «äs alts Mandeli» so weit kommen könnte, sagte der 74-Jährige. Und: «Danke dem Fernsehen und allen lieben Freunden.» Dem begnadeten Sänger, Jodler, Musikanten und Komponisten gelang es am besten, das Volk in einen Zustand der Ergriffenheit zu versetzen – und Heimatgefühle in den Wohnstuben auszulösen.

Mister Alperose nur auf Platz 3

Rymann verwies Polo Hofer mit «Alperose» und die vier anderen Finalhits auf die Ehrenplätze. Polo national hatte im letzten Jahr bei den «Grössten Schweizer Hits» 14 Konkurrenten ausgestochen. Wie der «Blick» am Samstag berichtete, hat der 62-Jährige einen Tumor am Stimmband. Trotz der Krankheit trat Polo auf, um seinen Titel zu verteidigen. Seit diesem sei sein Marktwert weiter gestiegen, sagte Polo Hofer mit heiserer Stimme: «Sogar die Goofe auf dem Pausenplatz begrüssen mich seitdem mit Herr oder Mister Alperose.» Heute reichte es mit 12 Prozent der Stimmen nur für Platz 3. Die Liebeshymne «Ewigi Liäbi» von Mash überholte Herrn Alperose und landete auf Platz zwei. Die Mundartband um Frontmann Padi Bernhard mit dem verträumten Blick hatte in der Kategorie «Lovesongs» auf dem Weg ins Finale Patent Ochsner und Züri West verdrängt. Bernhard war sehr gerührt ob des Erfolgs und konnte es auch gestern kaum fassen, auf derart grosse Unterstützung zu stossen.

«Träne» von Francine Jordi und Florian Ast, die Flower-Power-Hymne «Heavenly Club» von Les Sauterelles aus dem Jahre 1968 wie auch «Lift U Up» von Gotthard landeten unter ferner liefen.

Francine Jordi kann sich damit trösten, dass sie trotzdem als heimliche Siegerin der Musik-Show hervorgeht. Sie hat sich vom braven Schlagersternchen im Pagenlook zur mutigen Powerfrau mit Frisur entwickelt. Sie machte als einzige Frau in der Talkrunde mit Moderator Sven Epiney neben Roman Kilchsperger und Beni Thurnheer nicht nur wegen ihrer optischen Reize eine gute Figur, sondern überraschte mit pointierten Aussagen als Musikexpertin.

Eines der Highlights der Show war auch der Auftritt von Paola Felix. Sie sang ihren Hit «Blue Bayou» (1978) erstmals in Mundart. Sie sehe blendend aus, fand Epiney. Eine ältere Frau müsse geliebt werden, um schön zu sein, gab die 57-Jährige zurück.

Gölä liess sich überreden

Kommt er oder kommt er nicht, der Gölä? Das war eine der meistgestellten Fragen im Vorfeld. In den letzten fünf Wochen hatte die «Expertenrunde» den Büezer-Rocker wiederholt dazu aufgefordert, beim grossen Finale aufzutreten. Der Beizersohn aus Uttigen hatte verlauten lassen, dass er solche Cüpli-Anlässe hasse. Und Epiney hatte sich zur Wette verleiten lassen, seinen nackten Oberkörper zu zeigen, falls Gölä nicht seinen «Schwan» singe. Gölä kam, sang, und knöpfte dem Epiney sein Hemd auf. Er sei seiner Fans und der Hartnäckigkeit Epineys wegen aufgetreten, sagte Gölä. Des Moderators glattrasierter nackter Oberkörper war dann nur ganz kurz zu sehen.

Gelohnt haben sich «Die grössten Schweizer Hits» auch für das Schweizer Fernsehen. Die Sendungen mit den Schweizer Lieblingssongs waren ein Strassenfeger. Ein Quotenrekord ist SF DRS so gut wie sicher.

Weshalb aber dieser Hype? Historiker Jakob Tanner sagte im «Tages-Anzeiger» vom Freitag, die emotionale Identifikation mit der Schweiz scheine nach den Störungen in den 1990er-Jahren wieder intakt zu sein. Das Zauberwort, dass diese Wiederversöhnung mit der Heimat ermögliche, heisse Swissness. Und diese Swissness führe dazu, dass sich die Schweiz geschlossen vor dem Fernseher versammle. Das unverkrampfte nationale Selbstverständnis verkörperte niemand besser als Ruedi Rymann.

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