Schweiz

«Sterbetourismus» Wort des Jahres

05. Dezember 2007, 17:43

Das Schweizer Wort des Jahres 2007 heisst «Sterbetourismus». Zum Unwort des Jahres wurde «Klimakompensation» ernannt.

Die siebenköpfige Jury hat den Begriff «Sterbetourismus» aus über 2000 Vorschlägen ausgewählt. Das Thema Sterbetourismus habe sowohl die Schlagzeilen als auch die Stammtische gleichermassen beherrscht, begründete die Jury ihren Entscheid.

Als Wortschöpfung möge der Ausdruck zwar pietätlos erscheinen, wie die Jury schreibt. Allerdings scheine der breite öffentliche Diskurs über die aktive und passive Sterbehilfe in der Schweiz erst mit den gehäuften Besuchen von Menschen aus dem Ausland einzusetzen, die die Schweiz lebend bereisten und tot verliessen.

Die Schweiz habe sich wegen ihrer liberalen Gesetzgebung und den Akteuren, die diese zu nutzen wüssen, ungewollt in den Mittelpunkt des internationalen Interesses gerückt. Habe das geflügelte Wort früher «Neapel sehen und sterben» gelautet, scheine sich der Schauplatz des Sterbetourismus nun in Richtung Norden verlagert zu haben. Seit 2003 machten die Begriffe «Rauchverbot», «Aldisierung», «Meh Dräck» und «Konkordanz» das Rennen als Wort des Jahres.

Klima-Mogelpackung

Neben dem Wort des Jahres prämierte die Jury unter anderem auch das Unwort des Jahres. Hier machte der Begriff «Klimakompensation» das Rennen. So sei das Thema Klima in aller Munde. Vom Klimawandel, der Klimafalle und der Klimahysterie sei die Rede.

In den Augen der Jury vereinigt der Begriff zum einen das Thema der Stunde - das Klima - in sich. Zum anderen werde mit der Kompensation die Hilflosigkeit der Argumentation im Zusammenhang mit diesem äusserst aktuellen Thema unterstrichen. Die «Klimakompensation» suggeriere einen Lösungsansatz, der in Wahrheit eine Mogelpackung sei.

«Pimpen» Mundartwort des Jahres

Als Satz des Jahres wurde «Das Rütli ist nur eine Wiese mit Kuhdreck» gewählt. Diese Aussage aus dem Mund eines linken Politikers hätte laut der Jury wohl niemanden erstaunt. Geäussert vom scheidenden SVP-Präsidenten Ueli Maurer führe dieser Satz aber zu Stirnrunzeln. Als weitere wichtige Wörter wurden «Host City», «Taschenmunition», «H-Plan», «Problembär» und «Randgruppenmanagement» genannt.

Mundartwort des Jahres ist «pimpen». Das Wort bedeutet das Aufmotzen, Optimieren, Verbessern und Verschönern von bis anhin Gewöhnlichem. Spätestens seit der Vorher-Nachher-Show «Pimp my Ride» vom Musiksender MTV, in der aus rollenden Rostlauben chromblitzende Autos werden, gehöre «pimpen» zum alltäglichen Sprachgebrauch der vornehmlich jüngeren Schweiz.

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